Politik

"Der Feind ist auf unserem Land" Duma-Abgeordneter: Armee muss aufhören zu lügen

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Bilder wie dieses veröffentlicht das russische Verteidigungsministerium gerne. Die Realität der Soldaten sieht allerdings oft noch anders aus.

(Foto: AP)

Die Nachrichten von der Front sorgen in Russland zunehmend für schlechte Laune. Ein hochrangiger Parlamentarier geht nun die Armee erstaunlich offen für ihre "Lügen" an. Auch Kreml-Propagandist Solowjow wittert Verrat und Feigheit - und bringt die Todesstrafe als Lösung ins Spiel.

Ein hochrangiger russischer Parlamentarier hat die Armee aufgefordert, "mit dem Lügen" über den Militäreinsatz in der Ukraine aufzuhören. "Das Volk weiß es. Unser Volk ist nicht dumm", sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Duma, Andrej Kartapolow. "Und es sieht, dass wir nicht bereit sind, ihm auch nur einen Teil der Wahrheit zu sagen." Dies könne zu einem Verlust von Glaubwürdigkeit führen.

"Der Feind ist auf unserem Land. Alle Grenzdörfer in der Region Belgorod sind praktisch zerstört", sagte der ehemalige Militärkommandeur auf dem Telegram-Kanal des russischen Propagandisten Wladimir Solowjow. "Wir erfahren dies von jedem, von Gouverneuren, von Kriegsberichterstattern. Aber die Berichte des Verteidigungsministeriums bleiben unverändert", beklagte er.

Am Tag zuvor hatte schon Kreml-Propagandist Solowjow angesichts der Nachrichten von der Front von Verrat und Feigheit gesprochen. "Ich habe keine gute Laune", sagte er in seiner Sendung. Die Ukraine arbeite "sehr effektiv". Vor Kurzem hätten die Russen noch kurz vor Kiew gestanden – und jetzt begradige man die Frontlinie.

Solowjow fordert harte Strafen

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Solowjow forderte schnelle Maßnahmen: "Diejenigen, die verantwortlich sind, müssen bestraft werden." Leider gebe es keine Todesstrafe. Dabei scheine es ihm, als sei dies für einige die "einzige Lösung. "Das Problem ist, dass sie keine Offiziersehre haben. Und sich selbst nicht erschießen können."

Das russische Verteidigungsministerium gibt nur selten Rückschläge seiner Truppen zu. Vielmehr veröffentlicht es lediglich täglich einen Bericht, in dem es die schweren Verluste auflistet, die es seinen Gegnern angeblich zugefügt hat. Über die jüngsten Rückzüge des Militärs aus ukrainischen Gebieten berichteten aber zuletzt etliche russische Militärblogger, wobei sie sich deutlich unverblümter als die Militärs äußerten. Wie etwa Roman Saponkow, der auf Telegram schrieb: "Freunde, ich weiß, dass ihr darauf wartet, dass ich mich zu dieser Situation äußere. Aber ich weiß wirklich nicht, was ich euch sagen soll. Der Rückzug aus dem Norden am rechten Ufer ist eine Katastrophe."

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 05. Oktober 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ghö/AFP

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