Politik

Zu patriotischem Lied getanzt Hochzeitsgäste auf Krim zu Haftstrafen verurteilt

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Wer auf der Krim pro-ukrainische Slogans verbreitet oder patriotische Lieder singt, muss mit Konsequenzen rechnen.

(Foto: picture alliance/dpa/Ukrinform)

Auf einer Hochzeit im annektierten Bachtschissarai auf der Krim-Halbinsel tanzen und singen die Gäste zum ukrainischen Lied "Chervona Kalina", das Symbol für den Widerstand gegen die russische Invasion geworden ist. Dafür müssen einige Feiernde nun hinter Gitter.

Auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim hat ein Gericht Haftstrafen verhängt, weil auf einer Hochzeit ein ukrainisches Lied gespielt wurde. Das Gericht in der Stadt Bachtschissarai ordnete für sechs "Organisatoren und Teilnehmer der Hochzeit" Haftstrafen zwischen fünf und 15 Tagen sowie Ordnungsstrafen von umgerechnet mehr als 800 Euro an, wie örtliche Medien berichten.

Das Lied "Chervona Kalina" wurde in den Berichten als "Kampflied ukrainischer Nationalisten" bezeichnet. Darin heißt es übersetzt: "Diese rote Blume, die Kalina, warum senkt sie ihren Kopf? Herrlich war sie, die Ukraine; warum nur dieser Sturm? Sie wird wieder blühen, die Kalina, in Ewigkeit. Und in all ihrer Pracht wird die Ukraine - hey, hey - wieder auferstehen."

Ein Videoclip zeigt, wie die Hochzeitsgäste ausgelassen zu diesem patriotischen Lied tanzen und singen, das zum Symbol des ukrainischen Widerstands gegen den russischen Einmarsch vom 24. Februar wurde. Als rechtliche Grundlage dienten dem Gericht Paragrafen zum Verbot "nazistischer Symbolik" und das Verbot zur Diskreditierung der russischen Streitkräfte.

"Verrat am eigenen Land"

Der Besitzer des Restaurants distanzierte sich später in einem Video von dem Vorfall und beteuerte, sowohl die russische Invasion als auch die von Moskau eingesetzte Krimführung zu unterstützen. Bachtschissarai ist eine Hochburg der krimtatarischen Minderheit auf der Halbinsel, die zu großen Teilen die russische Oberhoheit ablehnt.

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Nach ukrainischen Erfolgen an der Front hatte der von Russland eingesetzte Krim-Verwaltungschef Sergej Aksjonow ein rigoroseres Vorgehen gegen pro-ukrainische Äußerungen angekündigt. Auf Telegram schrieb Aksjonow am Montag, es kursierten derzeit mehrere Videos von Konzerten, auf denen pro-ukrainische Lieder gesungen würden. Dies sei "Verrat am eigenen Land" und habe strafrechtliche Konsequenzen.

"Für diejenigen, die das ukrainische Regime unterstützen, wäre es vernünftig und logisch, in das Land zu gehen, das sie so sehr lieben", so Aksjonow weiter. Die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim war im Frühjahr 2014 nach dem prowestlichen Umsturz in Kiew von Russland annektiert worden. Die Rückholung der Halbinsel auch mit militärischen Mitteln ist eines der erklärten Ziele der Führung in Kiew.

Quelle: ntv.de, jug/dpa

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