Politik

Demonstranten legen Betrieb lahm Hongkonger Flughafen steht erneut still

123208611.jpg

Durch den Protest kommt der Betrieb am Hongkonger Flughafen erneut zum Erliegen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach der Stilllegung am Vortag kommt es am Hongkonger Flughafen erneut zu einer großen Protestkundgebung von Regierungskritikern. Wieder sehen sich die Behörden gezwungen, den Betrieb einzustellen. Unterdessen übt auch die UN Kritik am Einsatzverhalten der Sicherheitskräfte.

Hongkongs Protestbewegung hat den Flughafen der Stadt den zweiten Tag in Folge zum Stillstand gebracht. Wie der Flughafenbetreiber mitteilte, wurde von 16.30 Uhr (Ortszeit) an der Check-in-Service für alle restlichen Flüge des Tages eingestellt. Zuvor hatten unzählige Demonstranten die Ankunfts- und Abflughallen blockiert.

Schon am Montag hatten Tausende Menschen den Flughafen belagert, um gegen immer brutalere Polizeigewalt bei den seit Wochen anhaltenden Protesten in der Stadt zu demonstrieren. Der Airport, einer der geschäftigsten weltweit und ein zentrales Drehkreuz für Langstreckenflüge über China und Südostasien, strich deshalb von Montagnachmittag an sämtliche Flüge für den Tag. Bereits am Freitag hatten Regierungsgegner am Flughafen protestiert, ohne den Betrieb aber nennenswert zu beeinträchtigen.

Trotz schwerer Kritik von Demonstranten stellte sich Regierungschefin Carrie Lam am Dienstag hinter die Sicherheitskräfte der Stadt. Die Polizei habe in den vergangenen zwei Monaten "große Schwierigkeiten gehabt, das Gesetz durchzusetzen", sagte Lam vor Journalisten. Die Regierung und die Polizei in der chinesischen Sonderverwaltungszone seien aber in der Lage, die politische Krise in Hongkong zu lösen.

"Erhebliches Risiko von Todesfällen"

Das UN-Menschenrechtsbüros kritisierte hingegen den Einsatz der Polizei. Die Maßnahmen der Sicherheitskräfte hätten gegen internationale Normen verstoßen, teilte das UN-Menschenrechtsbüro mit. Es gebe glaubwürdige Beweise, dass zum Beispiel mehrfach Tränengaskanister direkt auf Demonstranten abgefeuert wurden. Das berge ein "erhebliches Risiko von Todesfällen und ernsthaften Verletzungen". Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, rief die Behörden auf, die Zwischenfälle zu untersuchen.

Die USA riefen angesichts der Gewalt die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. "Gesellschaften hilft es am meisten, wenn verschiedene politische Ansichten respektiert werden und frei und friedlich ausgedrückt werden können", sagte ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung. "Die Vereinigten Staaten mahnen alle Seiten dazu, von Gewalt Abstand zu nehmen."

In der einstigen britischen Kronkolonie Hongkong kommt es seit mehr als zwei Monaten immer wieder zu massiven Protesten, die regelmäßig mit Ausschreitungen enden. Auslöser der Demonstrationen war ein - inzwischen auf Eis gelegter - Gesetzentwurf zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China. Die Proteste entwickelten sich zu einer breiteren Bewegung. Viele Menschen befürchten einen zunehmenden Einfluss Pekings auf das Leben in der Finanzmetropole und fordern demokratische Reformen.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

Mehr zum Thema