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Zahl steigt rasant Hunderttausende haben keine Wohnung

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Die meisten Wohnungslosen leben in Notquartieren.

(Foto: dpa )

Bezahlbare Wohnungen sind hart umkämpft, die Zahl der Sozialwohnungen schrumpft. Die Folge: Hunderttausende Menschen in Deutschland haben kein Zuhause. Die Wohnungslosenhilfe fordert den Bund zum Handeln auf.

In Deutschland hatten im Jahr 2017 etwa 650.000 Menschen keine eigene Wohnung. Nach letzten verfügbaren Zahlen sei von einer Steigerung um 15 bis 20 Prozent von 2016 auf 2017 auszugehen, erklärte die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW), Werena Rosenke. Die meisten Wohnungslosen lebten nach Schätzungen der BAGW in Notquartieren, berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe. 48.000 Menschen lebten demnach völlig ohne Obdach auf der Straße.

Unter den Wohnungslosen waren demnach viele anerkannte Asylsuchende und Flüchtlinge in Flüchtlingsunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen der Bundesländer. Nimmt man die Geflüchteten aus der Zählung heraus, waren dem Bericht zufolge gut 275.000 Menschen ohne Wohnung. Die Arbeitsgemeinschaft schätzt die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter ihnen auf acht Prozent. 2017 waren damit in ganz Deutschland 22.000 junge Menschen ohne Wohnung.

Zu den Obdachlosen, die nicht in einer Wohnunterkunft des Staates lebten, sondern auf der Straße schliefen, zählten viele Menschen aus anderen EU-Staaten - vor allem aus Osteuropa. Die "Straßenobdachlosigkeit" sei stark durch die Zuwanderung aus EU-Ländern nach Deutschland geprägt, schreibt die BAGW in ihrer Analyse der aktuellen Zahlen.

Als Hauptgründe für die stark steigende Zahl der Wohnungslosen nennt die Arbeitsgemeinschaft "das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum, die Schrumpfung des Sozialwohnungsbestandes und die Verfestigung von Armut". Es fehle vor allem an bezahlbaren Wohnungen für Menschen mit niedrigem Einkommen und Empfänger staatlicher Transferleistungen. "Benötigt werden pro Jahr 80.000 bis 100.000 neue Sozialwohnungen und weitere 100.000 bezahlbare Wohnungen", heißt es in dem Bericht.

Bund soll soziale Wohnraumförderung erhöhen

Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft wurden 2018 bundesweit zwar 287.000 Wohnungen fertiggestellt. Allerdings gebe es in großen Städten einen gravierenden Wohnungsmangel, in kleineren Städten und auf dem Land dagegen Leerstände und ein Überangebot.

Die Wohnungslosenhilfe forderte deshalb, die Beteiligung des Bundes an der sozialen Wohnraumförderung deutlich zu erhöhen. Außerdem müsse in den Kommunen überall "ein funktionsfähiges System der Prävention von Wohnungsverlusten" installiert werden. In der Arbeitsgemeinschaft engagieren sich unter anderem soziale Dienste und Einrichtungen sowie politische Institutionen.

Sozialverbände und Wohnungslosen-Initiativen bemängeln seit langem, dass es keine bundesweit gesicherten Zahlen zu Wohnungslosen gibt. Sie sehen darin ein Hindernis beim effektiven Umgang mit diesem Problem. Das Bundessozialministerium kündigte im Juni an, "in Kürze" einen Referentenentwurf für eine "bundesweite Wohnungslosenberichterstattung" vorzulegen.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP/dpa

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