Politik
Ein Huthi-Kämpfer in Sanaa. Der Kampf um die Hauptstadt dürfte sich in den nächsten Tagen verschärfen.
Ein Huthi-Kämpfer in Sanaa. Der Kampf um die Hauptstadt dürfte sich in den nächsten Tagen verschärfen.(Foto: REUTERS)
Montag, 04. Dezember 2017

Bomben- und Medienkrieg im Jemen: Huthis verkünden Tod von Ex-Präsident Saleh

Der Bürgerkrieg im Jemen nimmt eine neue Wendung: Der ehemalige Präsident kündigt sein Zweckbündnis mit den Huthis auf. Die präsentieren wenig später seine Leiche. Ortsansässige in der Hauptstadt berichten von brutalen Kämpfen.

Ali Abdullah Saleh
Ali Abdullah Saleh(Foto: REUTERS)

Der ehemalige Präsident des Jemen, Ali Abdullah Saleh, ist tot. Huthi-Rebellen zeigten die Leiche des 2012 gestürzten Präsidenten zunächst in sozialen Medien. Später bestätigten auch Vertreter seiner Partei den Tod des 75-Jährigen. Der TV-Sender Al-Arabija meldete, nahe der Hauptstadt Sanaa habe eine Kugel der Huthis den früheren Präsidenten in den Kopf getroffen. Saleh hatte am Wochenende mit den Rebellen gebrochen, mit denen er 2014 eine Allianz eingegangen war. Bis 2012 war Saleh 33 Jahre lang Präsident des Jemen gewesen und in seiner Regierungszeit selbst unerbittlich gegen die Huthis vorgegangen.

Die Hauptstadt Sanaa wird seit dem Wochenende von Kämpfen ungekannten Ausmaßes heimgesucht. Besonders heftig waren die Angriffe in der vergangenen Nacht, wie Ortsansässige auf Twitter berichteten. Jemenitische Medien und Aktivisten berichten von Straßenkämpfen. Die von den Huthis kontrollierte Nachrichtenagentur Saba und Augenzeugen meldeten, Jets der saudisch geführten Koalition hätten zahlreiche Luftangriffe gegen die Rebellen geflogen. Viele Menschen sind wegen Artilleriefeuers auf den Straßen in ihren Häusern gefangen. Gleichzeitig gehen Bomben auf die in weiten Teilen bereits zerstörte Stadt nieder. Auch die Niederlassungen der letzten Hilfsorganisationen sind nach deren Angaben nicht mehr sicher.

Helfern zufolge kamen in den vergangenen sechs Tagen 125 Menschen ums Leben, 238 wurden verletzt. Diese Zahlen gingen auf Zählungen örtlicher Krankenhäuser zurück. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz teilte mit, es fehle an Verbandsmaterial und Treibstoff für Notstromaggregate. Außerdem seien die Leichensäcke knapp.

Die neue Eskalation ist eine Folge des Bruchs zwischen Saleh und den Huthi-Rebellen. Die Huthis warfen Saleh daraufhin "Hochverrat" vor. Die schiitische Miliz aus dem Norden des Jemen hatte mithilfe der Saleh-treuen Teile der Armee ab 2014 die Hauptstadt erobert. Seit März 2015 bombardiert Saudi-Arabien mit einer Allianz verschiedener arabischer Staaten das Land, um die Vorherrschaft der angeblich von Iran unterstützten Huthis zu brechen. Salehs Nachfolger Abd Rabbo Mansur Hadi musste ins Exil nach Saudi-Arabien fliehen.

Exil-Präsident Hadi befiehlt Rückeroberung Sanaas

Die Huthis verkündeten zunächst, sie hätten Geländegewinne gegen ihre früheren Verbündeten erzielt. Präsident Hadi befahl seinen Truppen aus dem Exil, Sanaa zurückzuerobern. Vize-Präsident Ali Mohsen al-Ahmar habe die Anordnung erhalten, den Marsch der Truppen auf die Hauptstadt zu veranlassen. Die Hadi-Regierung kündigte außerdem eine Amnestie für alle früheren Verbündeten der Huthis an, die mit diesen gebrochen haben. Mit der Zusicherung einer Straffreiheit will die jemenitische Führung die Huthi-Rebellen weiter schwächen.

Die Folgen des Krieges für die Zivilbevölkerung sind verheerend: Das Land steht vor einer Hungersnot, Zehntausende kamen durch die Kämpfe und wegen der kaum noch gewährleisteten medizinischen Versorgung ums Leben. Mehr als acht Millionen Menschen könnten laut UNO ohne direkte Hilfe verhungern. Insgesamt leiden 17 Millionen Menschen unter einer unsicheren Ernährungslage. Verschärft wird die Krise durch eine Blockade, die das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis Anfang November nach dem Abschuss einer Rakete auf den Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad verhängt hatte.

Quelle: n-tv.de