Politik

London sieht Russen abgedrängt ISW geht von Fortschritt der Wagner-Söldner in Bachmut aus

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Ukrainische Soldaten feuern einen Mörser ab auf russische Stellungen an der Frontlinie bei Bachmut.

(Foto: dpa)

Die Lage in der umkämpften ukrainischen Stadt Bachmut ist unübersichtlich. Ukrainische Soldaten sollen die Wagner-Gruppe von einer wichtigen Nachschubstrecke zurückgedrängt haben, berichtet London. Ein US-Thinktank geht aber davon aus, dass die Russen immer weiter in die Stadt vordringen.

Im Kampf um die Stadt Bachmut in der Ostukraine haben ukrainische Truppen nach Einschätzung britischer Geheimdienste für Entlastung gesorgt. "Eine der wichtigen Errungenschaften der jüngsten ukrainischen Operationen bestand wahrscheinlich darin, die Kämpfer der russischen Wagner-Gruppe von der Route 0506 zurückzudrängen", teilte das britische Verteidigungsministerium mit.

"Diese kleine Landstraße ist zu einer wichtigen Nachschublinie für die ukrainischen Verteidiger geworden. Wagner war zuvor nur wenige Hundert Meter von dieser Straße entfernt", hieß es in London. Die Kämpfe um Bachmut tobten weiter. Allerdings seien die russischen Angriffe im Vergleich zu vorigen Wochen weiterhin auf einem geringeren Niveau, so das Ministerium weiter.

Entgegen russischen Medienberichten, wonach die Wagner-Gruppe einen Industriekomplex im Norden Bachmuts erobert habe, gingen die Gefechte dort weiter. Außerdem gehen die Briten von Personalengpässen bei den Wagner-Söldnern aus, die etliche ehemalige Gefängnisinsassen mittlerweile entlassen hätten. "Nachdem Wagner nun die Freilassung von mindestens 5000 kämpfenden Häftlingen bestätigt hat, werden Personalengpässe wahrscheinlich die russischen Offensivbemühungen in diesem Bereich behindern."

Militärblogger berichten von russischen Fortschritten

Der US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW) ist etwas skeptischer, was die ukrainischen Erfolge angeht. Er geht davon aus, dass die Wagner-Söldner den AZOM-Industriekomplex im Norden der Stadt eingenommen und weiterhin Fortschritte innerhalb der Stadt machten. Dies würden nicht nur russische Militärblogger schreiben. Vielmehr stimmten diese Behauptungen relativ gut mit den verfügbaren visuellen Beweisen für die russische Präsenz im AZOM-Komplex überein.

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Geolokalisiertes Filmmaterial zeigt laut dem ISW einen Militärkorrespondenten der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti, der sich anscheinend mühelos auf dem Gelände des Komplexes bewegt. Dies deute darauf hin, dass Wagner wahrscheinlich genug von der Anlage kontrolliere, um Medienvertreter in relativer Sicherheit unterzubringen.

Auch die Behauptung russischer Militärblogger, dass Wagner-Kämpfer näher an das Stadtzentrum von Bachmut herangerückt seien und die Kontrolle über den Stadtmarkt übernommen hätten, ist laut dem ISW plausibel. "Wagner arbeitet wahrscheinlich daran, seine Erfolge im nördlichen und zentralen Bachmut zu konsolidieren, um in Richtung Stadtzentrum vorzudringen und seine Kontrollzone auf West-Bachmut auszuweiten." Das ISW geht davon aus, dass die russischen Streitkräfte in den letzten sieben Tagen in weitere fünf Prozent der weitgehend zerstörten Stadt vorgedrungen sind und derzeit etwa 65 Prozent der Stadt besetzen.

Quelle: ntv.de, ghö/lar/dpa

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