Politik

Grüne Baerbock zeigt Machtwillen "Ich will, dass wir Verantwortung tragen"

134955909.jpg

Baerbock gilt neben ihrem Co-Chef Habeck als mögliche Kanzlerkandidatin der Grünen.

(Foto: picture alliance/dpa)

In ihrem Sommerinterview beim ZDF lässt Grünen-Co-Chefin Annalena Baerbock keinen Zweifel am Gestaltungswillen ihrer Partei im Bund. Radikale Forderungen beim Thema Klimaschutz müssten praktisch umgesetzt werden - auch wenn das Kompromisse verlange.

Die Co-Vorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, hat den Regierungsanspruch ihrer Partei nach der Bundestagswahl 2021 bekräftigt. "Ich mache Politik, um sie zu verändern und nicht nur, um zu versprechen", sagte sie im ZDF. Dabei machte sie deutlich, was auch weiterhin Kernthema ihrer Partei sei: "Das ist, glaube ich, die Aufgabe unserer Generation: Diese Gesellschaft klimaneutral zu machen, eine sozial-ökologische Marktwirtschaft zu schaffen, damit wir die größte Herausforderung unserer Zeit - den Klimawandel - in den Griff bekommen", sagte Baerbock in der Sendung "Berlin Direkt". Ihre Partei kämpfe dafür, "sehr, sehr stark zu werden, weil wir dann am meisten durchsetzen können".

Angesprochen auf verschiedene Kompromisse, die ihre Partei in Länderregierungen und bei vergangenen Koalitionsverhandlungen gemacht habe, sagte die Bundestagsabgeordnete: "Das ist leider auch der Punkt von Koalitionen, dass man von seinem Wahlprogramm nicht alles komplett umsetzen kann." Das gelte auch für die sogenannten Kastenstände in der Schweinezucht, bei der die Grünen einer vergleichsweise langen Übergangsfrist von acht Jahren zugestimmt hatten. Laut Baerbock deswegen, weil die Mehrheitsverhältnisse in Bundestag und Bundesrat nicht mehr hergaben. "Zufrieden ist man da nicht. Deswegen wollen wir ja auch auf Bundesebene Verantwortung übernehmen."

Grüne bleiben "radikal und staatstragend"

Grundsätzlich sieht Baerbock, die zusammen mit Robert Habeck seit zweieinhalb Jahren die Partei führt, die Grünen auf dem richtigen Weg. "Ich finde das richtig, dass sich unsere Rolle verändert hat", sagte die 39-Jährige. "Dass wir nicht nur sagen, das ist das Ziel und wie wir da hinkommen, darum sollen sich andere kümmern, sondern, dass wir jeden Schritt (…) auch ausbuchstabieren."

Ihr vor zwei Jahren ausgerufenes Motto "radikal und staatstragend" gelte weiterhin, sagte Baerbock. Wer große Dinge erreichen wollen, müsse dennoch mit kleinen Schritten anfangen. "Und radikal heißt ja im Wortsinn, Probleme an der Wurzel packen. Und wenn wir zum Beispiel das Klimaproblem nehmen, da können wir ja nicht zu sagen, wir machen ein bisschen Erneuerbare, sondern wir müssen wirklich unsere Industrie komplett umbauen, damit sie klimaneutral wird", sagte Baerbock. "Das muss aber so passieren, dass wir dann nicht nur fordern, sondern auch in Verantwortung diese Schritte dann gehen."

Staatstragend war Baerbock auch an anderer Stelle, etwa bei der Frage nach roten Linien in Koalitionsverhandlungen. "Heilig ist uns unser Grundgesetz, das ist die Grundlage." Darüber hinaus will Baerbock die Zusammenarbeit mit keiner demokratischen Partei ausschließen. "Natürlich kann ich mir eine Dreierkonstellation auch vorstellen", sagte sie mit Blick auf mögliche Koalitionen. "Ich bin Parteivorsitzende der Grünen, ich will natürlich, dass wir Verantwortung diesem Land tragen."

Quelle: ntv.de, shu