Regierung droht "Saboteuren"In Trumps Reflecting Pool treibt ein totes Entlein

Die Algenplage im Reflecting Pool erreicht offenbar ein neues Ausmaß. US-Präsident Trump zeigt sich wenig selbstkritisch und macht "Vandalen" für den erbärmlichen Zustand seines Renovierungsprojektes verantwortlich. Sogar die Nationalgarde patrouilliert rund um das Wasserbecken.
Trotz des Krisen-Managements der US-Regierung bei dem für viele Millionen Dollar renovierten Wasserbecken in der Hauptstadt Washington reißen die schlechten Bilder für Präsident Donald Trump nicht ab. "Ich muss leider berichten, dass wir ein totes Entenküken haben", schrieb Journalist Rob Crilly vom "Washington Examiner" auf X und postete dazu zwei Bilder von dem verendeten Entlein im sogenannten Reflecting Pool. Auch ein Foto der Nachrichtenagentur Reuters zeigt das Tier, das leblos von Algen umgeben an der Wasseroberfläche schwimmt.
"Letzte Woche deuteten die Untersuchungen darauf hin, dass die Algen harmlos sind", berichtete Crilly. Doch ein Experte habe ihm gesagt, dass es Anzeichen für "Cyanobakterien" geben könnte. Diese umgangssprachlich oft als Blaualgen bezeichneten Mikroorganismen sind Bakterien, die in vielen Gewässern vorkommen und vor allem im Sommer bei hohen Temperaturen problematisch werden. Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit können einige Arten der Cyanobakterien Giftstoffe produzieren, die bei hohem Vorkommen für Tiere wie Enten gefährlich sind.
Natürlich ist nicht zweifelsfrei feststellbar, woran das Entlein im Reflecting Pool gestorben ist, doch der Vorfall reiht sich ein in eine wachsende Anzahl von peinlichen Bildern, die das von Trump für 14,2 Millionen Dollar (etwa 12,4 Millionen Euro) renovierte Wasserbecken seit seiner Wiedereröffnung Anfang Juni produziert hat. In der vergangenen Woche färbte sich das Wasser erneut grün und der neue Boden löste sich stellenweise ab. Kritiker sind der Meinung, bei der Sanierung seien wesentliche Maßnahmen auf der Strecke geblieben.
Präsident Trump und seine Gefolgsleute suchen die Schuld für das Debakel allerdings woanders. "Schreckliche Vandalen" hätten "ätzende und zerstörerische Chemikalien in das Becken" gegossen, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social. Mehrere Personen seien in dem Zusammenhang festgenommen worden. In einem vorangegangenen Post hatte er von "Jahren im Gefängnis" in Zusammenhang mit "schweren Straftaten" geschrieben.
"Ganze Härte des Gesetzes"
Dabei machte Trump auch einem Journalisten des TV-Senders ABC Vorwürfe: Der "leichtgewichtige" (etwa: geistiges Leichtgewicht) Reporter Jonathan Karl sei dabei gesehen worden, "wie er seine Hand in den Pool steckte und versuchte, das Gummi von der Oberfläche abzureißen", behauptete Trump.
Auf die Frage, ob Karl nun in Schwierigkeiten sei, sagte die Generalstaatsanwältin der US-Hauptstadt Washington, Jeanine Pirro, dem Sender Fox News: "Das kommt darauf an." Jeder, der den Reflecting Pool mutwillig beschädige oder versuche, ihn zu beschädigen, "muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen". Es seien bereits Anklagen gegen Einzelpersonen erlassen worden, und diese Fälle würden "mit der ganzen Härte des Gesetzes" verfolgt. "Sollten schlimmere Stoffe in den 'Reflecting Pool' gelangen, die zu vermehrter Algenbildung oder einem größeren Problem führen, werden wir ernsthaftere Anklagen in Betracht ziehen."
Laut "Washington Post" hatten am Wochenende mehrere US-Strafverfolgungsbehörden in der Nähe des Wasserbeckens patrouilliert und Strafen gegen Passanten ausgesprochen, die angeblich mit der sich lösenden Farbe des Pools in Berührung gekommen sein sollen. Dem Bericht zufolge wurden bis Samstagabend fünf Personen festgenommen und wegen Vandalismus angeklagt.
Bei einem der Festgenommenen handelt es sich offenbar um einen ehemaligen Olympioniken. Der Zeitung zufolge wurde der Mann festgenommen, nachdem er in das Becken gegriffen und ein teilweise abgelöstes Stück der Bodenbeschichtung berührt hatte.
Die Saga um den Reflecting Pool hat auch politische Brisanz, weil Kritiker Trump die leichtsinnige Verschwendung von Steuergeldern vorwerfen. US-Medien berichteten, dass die Regierung die Aufträge ohne Ausschreibung an ausgewählte Unternehmen vergeben habe. Die Regierung begründete dies mit Zeitdruck vor den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten am 4. Juli.
Das rund 600 Meter lange Wasserbecken liegt zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument. Es bildete auch die Kulisse, vor der Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. 1963 seine berühmte Rede "I Have a Dream" hielt.