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Mehrheit mutmaßliche Straftäter Interpol hat knapp 300 Deutsche im Visier

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In 25 Fällen warnt Interpol davor, dass der oder die gesuchte Deutsche eine Gefahr darstellen könnte.

REUTERS

Wird ein Deutscher im Ausland straffällig, kann ein Staat ihn über die internationale Polizeibehörde Interpol zur Fahndung ausschreiben lassen - allein auf 225 Deutsche trifft dies aktuell zu. Doch der Fall Akhanli zeigt, dass das System Schwachstellen hat.

Fast 300 deutsche Staatsangehörige stehen im Visier der internationalen Polizeibehörde Interpol. Das berichtet die Funke-Mediengruppe und verweist auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag. Allein 225 Deutsche sind demnach bei der weltweit agierenden Organisation mit einer sogenannten Red Notice gespeichert. Damit schreibt ein anderer Staat einen mutmaßlichen Straftäter für eine Festnahme zum Zweck der Auslieferung aus.

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Schriftsteller Dogan Akhanli vor einer Gerichtsverhandlung in Istanbul 2010.

(Foto: dpa)

In 17 Fällen handele es sich um eine sogenannte Blue Notice, mit deren Hilfe ein anderer Interpol-Staat den Aufenthaltsort eines Deutschen ermitteln will. Interpol hat zudem 19 Yellow Notices zu deutschen Staatsbürgern gespeichert - damit werden etwa vermisste Personen gesucht. Die Interpol-Ermittler warnen in 25 weiteren Fällen davor, dass der oder die Deutsche eine Gefahr darstellen könne, eine sogenannte Green Notice.

Zu sieben deutschen Staatsbürgern liegt Interpol zudem eine Special Notice der Vereinten Nationen vor. Dabei geht es um Personen, die vom UN-Sicherheitsrat mit Sanktionen belegt sind. Insgesamt waren laut Bundesregierung in den Interpol-Dateien Ende August somit 293 Einträge und Fahndungen zu Bundesbürgern gespeichert.

Türkei nutzt Interpol gegen Kritiker

Im August war Interpol in die Kritik geraten, nachdem die spanische Polizei aufgrund einer Red Notice den deutschen Schriftsteller Dogan Akhanli während seines Urlaubs in Granada festgenommen hatte. Noch immer sitzt Akhanli in Spanien fest. Die Türkei hatte ihn über Interpol zur Fahndung ausgeschreiben lassen. Deutsche Justizbehörden und die Bundesregierung sehen das Verfahren gegen den Publizisten aber als politisch motiviert an, da sich Akhanli immer wieder kritisch gegenüber der türkischen Regierung äußert.

Auch der in Deutschland lebende türkische Journalist Can Dündar könnte sich demnächst auf einer Fahndungsliste von Interpol wiederfinden. Eine Staatsanwaltschaft in der Türkei will auch ihn bei der internationalen Polizeiorganisation zur Fahndung ausschreiben. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag. Das Auswärtige Amt in Berlin machte jedoch klar, dass ein möglicher internationaler Haftbefehl ins Leere laufen würde.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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