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Einwohner, die vor den Kämpfen geflohen waren, kehren nach Kirkuk zurück.
Einwohner, die vor den Kämpfen geflohen waren, kehren nach Kirkuk zurück.(Foto: dpa)
Dienstag, 17. Oktober 2017

Streit um Unabhängigkeit: Iraks Kurden verlieren weitere Gebiete

Erst ziehen die Kurden aus der strategisch wichtigen Stadt Kirkuk ab, dann müssen sie auch Ölfelder aufgeben - ein eigener Staat rückt in weite Ferne. Die Kurdische Gemeinde Deutschland wirft der Bundesregierung eine Mitverantwortung für die Kämpfe vor.

Einen Tag nach dem Verlust der strategisch wichtigen Stadt Kirkuk haben sich Iraks Kurden im Konflikt mit der Zentralregierung aus weiteren Gebieten zurückgezogen. Irakische Sicherheitskräfte übernahmen kampflos unter anderem die beiden Ölfelder Bai Hassan und Avana nordwestlich von Kirkuk, erklärte die staatliche North Oil Company. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen verließen die kurdischen Peschmerga-Kämpfer auch den jesidischen Ort Sindschar und die Stadt Machmur.

Bereits am Montag hatten die Kurden praktisch ohne Widerstand die Stadt Kirkuk aufgegeben. Die gleichnamige Provinz gehört zu den ölreichsten im Irak. Damit haben die Kurden innerhalb von zwei Tagen fast alle Gebiete verloren, in die sie 2014 eingerückt waren, als die irakische Armee vor dem Ansturm der IS-Terrormiliz floh. Dabei handelt es sich um umstrittene Regionen, auf die die Kurden und Iraks Zentralregierung gleichermaßen Anspruch erheben.

Die irakische Armee sowie verbündete schiitische Milizen hatten ihren Vormarsch auf Kirkuk am Montag auf Befehl von Ministerpräsident Haidar al-Abadi begonnen. Damit reagierte die Zentralregierung auf Pläne der Kurden, sich vom Rest des Landes abzuspalten. Diese hatten sich in einem Referendum vor drei Wochen mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit ausgesprochen. Bagdad lehnt einen eigenen kurdischen Staat jedoch genauso ab wie die Nachbarn Türkei und Iran.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel rief alle Seiten zu Besonnenheit auf. Für die innerirakischen Spannungen gebe es keine militärische Lösung, teilte der SPD-Politiker mit. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, die USA wollten in dem Konflikt keine Partei ergreifen. Bei vielen Kurden im Nordirak machte sich danach Enttäuschung über die mangelnde Unterstützung Washingtons breit. Die Peschmerga-Kämpfer galten bisher als einer der wichtigsten Verbündeten des Westens im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Ausbildungsmission vor Beginn der Militäroffensive unterbrochen

Auch Deutschland belieferte die Kurden mit Waffen und Ausrüstung, Bundeswehrsoldaten bildeten kurdische Kämpfer aus. Das Ausbildungsprogramm ist jedoch seit Freitag vorläufig ausgesetzt. Die Kurdische Gemeinde Deutschland hat der Bundesregierung eine Mitverantwortung für die Kampfhandlungen vorgeworfen. "Die Bundesregierung hat es versäumt, den Irak und den Iran vor einem Vorrücken in die kurdische Autonomieregion zu warnen", kritisierte der Vorsitzende der Gemeinde, Ali Ertan Toprak, in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Toprak wies darauf hin, dass die Ausbildungsmission der Bundeswehr bereits vor Beginn der irakischen Militäroffensive gegen die Kurdengebiete unterbrochen worden sei. Offenbar wusste die Bundesregierung "da bereits von den Plänen der irakischen und der iranischen Regierung und hat dennoch keine Warnung ausgesprochen", sagte dazu Toprak.

Die von den Kurden aufgegebene Stadt Sindschar wird von Angehörigen der religiösen Minderheit der Jesiden bewohnt. Augenzeugen berichteten, zahlreiche jesidische Familien seien aus Angst vor den anrückenden regierungstreuen Milizen aus der Stadt in Richtung der kurdischen Autonomiegebiet geflohen. Die Peschmerga hatten die Sindschar-Region Ende 2014 aus der Gewalt des IS befreit.

Der Iran wies zugleich Meldungen zurück, in dem Konflikt seien auch iranische Truppen involviert. "Bei den Militäroperationen in Kirkuk spielen iranische Truppen und Revolutionsgarden keine Rolle", sagte Ali-Akbar Welajati, der außenpolitische Berater des obersten Führers, Ajatollah Ali Chamenei, nach Angaben der der Nachrichtenagentur Isna. Die schiitischen Milizen, die als Verbündeter der Armee mit gegen die Kurden vorgerückt sind, gelten als Teherans verlängerter Arm im Irak.

Quelle: n-tv.de

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