Politik

"Einmischung" nach Hinrichtung Iran bestellt deutschen Botschafter ein

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Deutsche Botschaft in Teheran.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nach der Hinrichtung des Ringers Afkari gerät das iranische Mullah-Regime international in die Kritik. Sogar der deutsche Botschafter in Teheran vergisst sein diplomatisches Neutralitätsgebot und ruft zur Solidarität mit den inhaftierten Brüdern des Mannes auf. Nun bestellt ihn Irans Regierung zum Rapport.

Nach seiner Kritik an der Hinrichtung des Ringers Navid Afkari ist der deutsche Botschafter im Iran ins Außenministerium in Teheran einbestellt worden. Das Ministerium habe die auf Twitter veröffentlichte Kritik "auf das Schärfste verurteilt" und Botschafter Hans-Udo Muzel wissen lassen, dass es diese als "Einmischung in die inneren Angelegenheiten" des Iran betrachte, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums.

Der 27-jährige Ringer Afkari war am Samstag trotz internationaler Solidaritätskampagnen in aller Eile hingerichtet worden. Er soll bei einer Demonstration im August 2018 in Schiras gegen die wirtschaftliche und politische Lage einen Beamten erstochen haben. Der Ringer hatte die Tat im Fernsehen gestanden, nach Informationen von Menschenrechtsorganisationen wurde das Geständnis aber unter Folter erzwungen.

Die Hinrichtung wurde international scharf verurteilt. Auch die deutsche Botschaft in Teheran hatte sich am Sonntag auf ihrem offiziellen Twitter-Konto "tief entsetzt" über Afkaris Tod geäußert. Es sei nicht hinzunehmen, "dass grundlegende Rechte verletzt würden, um Stimmen der Opposition zum Schweigen zu bringen", erklärte sie auf Farsi. Gleichzeitig rief sie zur Solidarität für Afkaris beide Brüder auf, die zu langen Haftstrafen verurteilt worden waren. Zuvor hatte sich bereits ein iranischer Justizvertreter gegen Kritik aus "einigen europäischen Botschaften" verwahrt und sie aufgefordert, sich nicht zum "Lautsprecher für Lügen" von Oppositionsgruppen zu machen.

Nach Angaben von Afkaris Anwalt Hassan Junessi wurde der junge Ringer einen Tag vor einem geplanten Treffen mit der Familie des Toten exekutiert, bei dem die Angehörigen um Verzeihung gebeten werden sollten. Nach iranischem Recht wäre bei ihrem Einlenken die Vollstreckung des Todesurteils hinfällig geworden. Afkaris eigene Familie wurde demnach nicht über die bevorstehende Hinrichtung informiert, obwohl das Strafgesetz ihr ein letztes Treffen mit ihm zugestanden hätte.

Quelle: ntv.de, mau/AFP