Politik

"Man kann nicht alles haben"Iran pocht nach "Massaker" auf Waffenruhe im Libanon

09.04.2026, 10:52 Uhr
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Ein israelischer Luftangriff trifft ein Haus im Libanon. (Foto: AFP)

Greift der vereinbarte Waffenstillstand auch für den Libanon? Da sind sich der Iran einerseits und die USA sowie Israel andererseits uneins. Letztere attackieren das Land in der bisher umfangreichsten Form.

Die iranische Regierung dringt auf den Einbezug des Libanons in die Waffenruhe im Nahen Osten. "Man kann nicht alles haben", sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Saeed Khatibzadeh, der BBC. "Man kann nicht einen Waffenstillstand fordern und dann die Bedingungen akzeptieren, alle Gebiete akzeptieren, für die der Waffenstillstand gilt, und dabei ausdrücklich den Libanon nennen - genau den Libanon - und dann beginnt der eigene Verbündete einfach ein Massaker."

Israel hatte am Mittwoch den Libanon mit den bisher schwersten Angriffen seit Kriegsbeginn überzogen. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei den Luftangriffen mindestens 182 Personen getötet, darunter viele Zivilisten. Das israelische Militär erklärte, dass man die Infrastruktur der Terrororganisation Hisbollah attackiert habe. Der iranische Sprecher sagte der BBC, die Angriffe Israels kämen einer "Art Völkermord" gleich.

Die Hisbollah hatte am Morgen selbst angekündigt, auf den "Verstoß gegen die Waffenruhe" durch Israel zu reagieren. Die Terrormiliz startete Raketenangriffe auf den Norden des jüdischen Staats.

USA teilt israelische Auslegung

Ob der Krieg zwischen der Hisbollah und Israel Teil der Waffenruhe ist, wird von den Konfliktparteien unterschiedlich betrachtet. Der pakistanische Premierminister Shebaz Sharif hatte am Mittwoch in einem Post auf X die Waffenruhe in der Region verkündet. Dabei inkludierte er explizit auch den Libanon.

Aus Israel war dagegen umgehend Widerspruch laut geworden. Die Netanjahu-Regierung erklärte, die Vereinbarung zwischen dem Iran und den USA greife nicht für den Libanon. Im Süden des Landes hält die israelische Armee nach einer Bodenoffensive auch umfangreiche Gebiete.

US-Vizepräsident Vance hatte nun die israelische Auslegung unterstrichen. Es habe in der Frage offenbar "ein Missverständnis" gegeben. "Ich glaube, die Iraner dachten, dass der Waffenstillstand den Libanon mit einschließt, und das war einfach nicht der Fall. Dieses Versprechen haben wir nie gegeben", so der Trump-Vize.

Quelle: ntv.de, lme/dpa

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