Massenproteste im ganzen LandIranische Machthaber zeigen nur Bilder von Anhängern im TV

Die Proteste im Iran sind so umfangreich wie lange nicht. Aktivisten zufolge geht das Regime mit äußerster Brutalität gegen die Demonstranten vor. Durch eine Internetsperre dringt jedoch nur das Staatsfernsehen nach außen. Dort zeigt die Regierung lediglich Trauer um getötete Sicherheitskräfte.
Der iranische Staat hat als Reaktion auf die systemkritischen Massenproteste seine eigenen Anhänger mobilisiert. Der staatliche Rundfunk veröffentlichte auf Telegram Ausschnitte aus dem TV-Programm, die Demonstrationen in mehreren iranischen Städten zeigen sollen. Teilnehmer schwenkten Flaggen und zeigten Bilder einiger der bei den Unruhen getöteten Sicherheitskräfte.
Seit mehr als zwei Wochen demonstrieren Iranerinnen und Iraner gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Ausgelöst durch eine tiefgreifende Wirtschaftskrise und des nahezu kompletten Absturzes des Rials haben sich die Proteste inzwischen zu einem landesweiten Aufstand entwickelt. Inzwischen haben sich viele Händler des Großen Basars von Teheran angeschlossen, welche zuletzt in der Revolution 1979 eine entscheidende Rolle gespielt hatten.
Außenminister Abbas Araghtschi verurteilte die regierungsfeindlichen Demonstrationen scharf. Zunächst seien Händler auf die Straße gegangen, sagte er vor Diplomaten. "Ab einem bestimmten Punkt hatten wir es mit terroristischen Operationen zu tun." Deshalb gebe es weiterhin einige "Einschränkungen", die bestehen blieben, "bis wir sicher sind, dass keinerlei Bedrohung mehr existiert", sagte er.
Seit mehreren Tagen dringen fast nur noch Meldungen des staatlichen Senders nach außen, da die theokratische Regierung den Internetzugriff gesperrt hat. Damit will das Regime die Organisation und Berichterstattung der Proteste einschränken. Bilder und Videos in den sozialen Medien lassen sich momentan nur schwer verifizieren. Aktivistenorganisationen melden dennoch, dass die Regierung mit aller Gewalt versuche, die Proteste zu unterdrücken.
Hunderte Demonstranten seien bereits getötet worden, weil die Revolutionsgarden mit scharfer Munition auf die Demonstranten schießen. Genaue Umstände und Ausmaß bleiben jedoch unklar. Nach internationalem Druck werde eine Aufhebung der Sperre inzwischen diskutiert, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai.