Politik
Sie feiern, dass der achte Verfassungszusatz gestrichen wird.
Sie feiern, dass der achte Verfassungszusatz gestrichen wird.(Foto: REUTERS)
Samstag, 26. Mai 2018

Neues Abtreibungsrecht kommt: Iren feiern schon ihr "Ja"

Nicht einmal nach einer Vergewaltigung war bisher in Irland eine Abtreibung legal. Das wird sich nun ändern, denn in dem katholisch geprägten Land stimmen die Menschen Umfragen zufolge für eine Gesetzesänderung. Die sozialen Netzwerke sind bereits voller Jubel.

Beim irischen Referendum zur Reform des Abtreibungsrechts hat die Auszählung der Stimmen begonnen. Das offizielle Ergebnis wird erst im Laufe des Tages bekannt gegeben. Nachwahlbefragungen ergaben aber, dass sich gestern rund zwei Drittel der Wahlberechtigten dafür ausgesprochen haben, einen Verfassungszusatz zu streichen, der Abtreibungen bislang unmöglich macht.

Die Abtreibungsgegner haben ihre Niederlage bereits eingestanden. Der Kommunikationsdirektor von "Save the 8th", John McGuirk, sagte der BBC, die Waage neige sich deutlich auf die andere Seite. Die Wahlkämpferin Cora Sherlock äußerte sich enttäuscht über die Umfrageergebnisse, sagte jedoch, dass die Pro-Life-Bewegung "jeder Herausforderung gewachsen sein" werde.

In den sozialen Netzwerken feierten viele Menschen das überraschend eindeutige Votum der Iren. Die "Irish Times" sammelte zahlreiche Tweets aus dem In- und Ausland, in denen das Ergebnis unter anderem als "überwältigender Sieg der irischen Frauen" bezeichnet wird. Eine Nutzerin schrieb, Irland sei in einer "giftigen Welt" ein Leuchtfeuer für Toleranz, Respekt und Demokratie. In zahlreichen Tweets erinnerten sich Frauen an ihre Erfahrungen mit Schwangerschaftabbrüchen.  

Klare Zwei-Drittel-Mehrheit

Einer Prognose im Auftrag der "Irish Times" zufolge stimmten am Freitag rund 68 Prozent der Wähler für die Streichung eines Verfassungsartikels, der Schwangerschaftsabbrüche faktisch unmöglich gemacht hatte. Eine zweite Nachwahlbefragung im Auftrag des irischen Senders RTE kam sogar auf 69,4 Prozent Ja-Stimmen.

Beiden Prognosen zufolge stimmten vor allem junge Wähler und Frauen mit überwältigender Mehrheit für die Lockerung des Abtreibungsverbots. Bei den 18- bis 24-Jährigen lag die Zustimmung zu der Verfassungsänderung demnach sogar bei rund 87 Prozent.

Damit wird die Regierung voraussichtlich eine Gesetzesinitiative einbringen, um Abtreibungen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen zu erlauben. Ministerpräsident Leo Varadkar hatte für eine Reform geworben und sich offen dazu bekannt, mit "Ja" zu stimmen.

Im katholisch geprägten Irland gilt derzeit eines der strengsten Abtreibungsverbote in der EU. Auch nach einer Vergewaltigung oder Inzest ist ein Schwangerschaftsabbruch untersagt. Verstöße können mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft werden. Tausende irische Frauen sahen sich gezwungen nach Großbritannien oder in andere Länder zu reisen, um dort Abtreibungen vornehmen zu lassen.

Quelle: n-tv.de