Politik

Abwehr von "Killerdrohnen" Israel gibt Angriff auf syrische Ziele zu

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Die israelische Armee sei derzeit in erhöhter Alarmbereitschaft, erklärte ein Armeesprecher.

(Foto: picture alliance/dpa)

Selten spricht Israel offiziell über militärische Aktivitäten im benachbarten Syrien. Nun berichten Armee und Regierungschef aber offen über einen Schlag gegen eine erwartete iranische Attacke. Im Norden des Landes werden schon Abwehrraketen in Position gebracht.

Israels Militär hat nach eigenen Angaben Ziele in Syrien beschossen, um einen Angriff mit iranischen "Killerdrohnen" auf sein Staatsgebiet zu verhindern. Israels Luftwaffe habe ein Dorf namens Akraba südöstlich von Damaskus attackiert, sagte der israelische Militärsprecher Jonathan Conricus. Nach israelischen Informationen habe die Al-Kuds-Einheit der iranischen Revolutionsgarden geplant, mit Drohnen Ziele im Norden Israels anzugreifen. Diese Art von Drohnen seien mit Sprengstoff beladen und funktionierten wie Raketen, sagte er. Man halte den Iran und Syrien für verantwortlich.

Bei den Angriffen nahe Damaskus sind nach Angaben von Aktivisten mindestens fünf Kämpfer getötet worden. Zwei Kämpfer der schiitischen Hisbollah-Miliz und ein iranischer Kämpfer seien gestorben, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.  Die Identität der beiden weiteren Toten ist demnach bisher unklar.

Der Zwischenfall ereignet sich knapp drei Wochen vor der israelischen Parlamentswahl. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte: "Wir haben mit großem Aufwand einen Angriff gegen Israel durch die iranische Kuds-Einheit und schiitische Milizen verhindert." Er bekräftigte: "Der Iran genießt nirgendwo Immunität." Netanjahu zitierte den Grundsatz: "Wenn jemand aufsteht, um dich zu töten, töte ihn zuerst." Israel werde "weiterhin auf entschlossene und verantwortungsvolle Weise gegen den Iran und seine Verbündeten vorgehen", um seine eigene Sicherheit zu gewährleisten.

"Wir haben mehrere Terrorziele der Al-Kuds-Einheit und schiitischer Milizen getroffen", sagte Armeesprecher Conricus. Es habe bereits am Donnerstag einen ähnlichen Angriffsversuch von iranischer Seite gegeben. Gegenwärtig sei die israelische Armee in erhöhter Alarmbereitschaft, "um auf jedes mögliche Ereignis zu reagieren", sagte Conricus. "Wir werden gegen jeden vorgehen, der israelische Ziele angreifen will." Israelische Medien berichteten, die Armee habe im Norden des Landes Batterien des Raketenabwehrsystems Iron Dome (Eisenkuppel) aufgestellt, um mögliche Gegenangriffe abzuwehren.

Zeitgleich stürzte nach Angaben der Hisbollah in der libanesischen Hauptstadt Beirut eine Drohne ab. Eine zweite sei explodiert, sagte ein Hisbollah-Sprecher. Diese zweite Drohne habe bei ihrem Absturz in der Nähe des Medienzentrums der schiitischen Miliz Schäden verursacht. Libanesische Sicherheitskräfte riegelten das Gebiet ab. Die libanesische Armee bestätigte die Angaben der Hisbollah zu den beiden Drohnen. Die Hisbollah-Bewegung kämpft in Syrien ebenso wie iranische Truppen an der Seite von Machthaber Baschar al-Assad. Israel und der Libanon befinden sich offiziell bis heute im Kriegszustand. Beirut wirft dem Nachbarland regelmäßig vor, mit Drohnen oder Flugzeugen in seinen Luftraum einzudringen.

Iranische Ziele im Visier

Die israelische Armee greift immer wieder Ziele in dem benachbarten Bürgerkriegsland an, gibt dies jedoch nur selten offiziell zu. Die Bombardierungen richten sich Beobachtern zufolge gegen Kräfte, die mit dem Iran verbunden sind. Israel will verhindern, dass sich sein Erzfeind in Syrien militärisch etabliert. Die Regierung in Teheran ist eng mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verbündet. Der Iran unterstützt zahlreiche Milizen, die im Bürgerkrieg an der Seite der Regierungstruppen kämpfen.

Ein Bericht der "New York Times" hatte zuletzt auch Gerüchte über israelische Luftangriffe auf Iran-treue Milizen im Irak befeuert. Die Zeitung meldete, Israel habe mehrfach Waffenlager Iran-treuer Gruppen im Irak angegriffen. Eine Mitte Juli bombardierte Basis diente dem Bericht zufolge Irans Revolutionsgarden für Waffenlieferungen nach Syrien. Der Angriff sei vom Irak aus erfolgt. Die irakische Armee hatte damals von einem Drohnenangriff auf das Lager berichtet. Dort hätten sich auch iranische Militärberater aufgehalten, hieß es. In den vergangenen Wochen war es in vier irakischen Waffenlagern zu Explosionen gekommen, deren Ursache offiziell ungeklärt ist. Erst am Dienstag kamen bei einer Detonation etwa 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad mindestens zwei Menschen ums Leben. Ein führender Vertreter der Milizen warf den USA danach vor, israelische Drohnen in den Irak gebracht und eingesetzt zu haben.

Quelle: n-tv.de, lou/dpa