Politik

"Historischer Schritt" Israel und Emirate nehmen Beziehungen auf

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Israel unterhält bislang keine diplomatischen Beziehungen zu den Golfstaaten - das soll sich nun ändern.

(Foto: dpa)

Zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten bahnt sich eine vollständige Normalisierung ihrer Beziehungen an. Die Länder wollen Abkommen in mehreren Bereichen schließen. Bevor beide Staatsoberhäupter den historischen Schritt verkünden können, twittert es US-Präsident Trump hinaus.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Israel wollen bilaterale Beziehungen aufnehmen. Der Kronprinz von Abu Dhabi, Mohammed bin Said Al Nahjan, bestätigte auf Twitter entsprechende Angaben. Im Rahmen eines Abkommens habe Israel nach Angaben der Regierung in Abu Dhabi einer Aussetzung seiner Annexionspläne zugestimmt. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bezeichnete den Schritt als "historisch".

Delegationen aus Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten wollten in den kommenden Wochen Vereinbarungen über Themen wie Sicherheit, Investitionen, Tourismus, direkte Flugverbindungen, Technologie und eine Einrichtung von Botschaften unterzeichnen, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

US-Präsident Donald Trump hatte bereits auf Twitter angekündigt, beide Länder wollen volle diplomatische Beziehungen aufnehmen. Israel werde dafür im Gegenzug bestimmte Ansprüche auf von Palästinensern bewohnte Gebiete im Westjordanland aufgeben. Die Einigung sei unter Vermittlung der USA zustande gekommen, erklärte Trump weiter. "Ein großer Durchbruch heute", schrieb er. Und weiter: "Ein historisches Friedensabkommen zwischen unseren beiden guten Freunden Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten."

Sorge vor Iran als größte Bedrohung

Israel unterhält bislang keine diplomatischen Beziehungen zu den Golfstaaten. Das Land hat aber bereits diplomatische Beziehungen zu seinen Nachbarn Jordanien und Ägypten, deren Bevölkerungen ebenfalls mehrheitlich muslimischen Glaubens sind. Die Beziehungen zwischen Israel und den Emiraten hatten sich in den vergangenen Jahren schrittweise verbessert. Offiziell unterhalten die beiden Länder keine diplomatischen Beziehungen. Berichten zufolge haben die Emirate aber längst heimlich Kontakte mit Israel geknüpft. In den beiden Emiraten Abu Dhabi und Dubai leben schätzungsweise 3000 Menschen jüdischen Glaubens.

Nach Jahrzehnten des Konflikts mit den Palästinensern ist der Staat Israel in vielen Ländern des arabischen Raums weiterhin unbeliebt oder verhasst. Vor allem die Golf-Monarchien, darunter Saudi-Arabien und die Emirate, sehen den Iran inzwischen aber als größte Bedrohung für die Region an. Israel wird in Abu Dhabi und Riad deshalb auch als möglicher Partner beim Versuch gesehen, den Einfluss des Irans im Nahen Osten zurückzudrängen.

Palästinenser lehnen "schändliche Erklärung" ab

Die Palästinenserführung hat das Abkommen derweil scharf kritisiert. Nach einer Dringlichkeitssitzung am Donnerstagabend in Ramallah teilte das Büro des Präsidenten Mahmud Abbas mit, man lehne die "plötzliche Mitteilung" beider Länder ab und verurteilte sie. Es sei ein Schlag für die saudische Friedensinitiative und die Erklärungen der Arabischen Liga sowie ein aggressives Vorgehen gegen das palästinensische Volk. Bislang galt es als Tabu für arabische Staaten, vor einer Lösung des Palästinenserproblems friedliche Abkommen mit Israel zu schließen.

Das Abkommen der Emirate mit Israel sei "ein Betrug an Jerusalem, der Al-Aksa-Moschee und der palästinensischen Sache", hieß es weiter in der Mitteilung. Es bedeute de facto eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels. Die Palästinenserführung forderte eine sofortige Zurückziehung der "schändlichen Erklärung". Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Abend zudem klargestellt, dass die Annexionspläne nicht vom Tisch seien. US-Präsident Donald Trump habe aber darum gebeten, dass Israel die Pläne aufschiebe.

Quelle: ntv.de, mba/dpa/AFP