Politik

"Oder ich hole einen Bulldozer"Israelische Siedler zwingen Familie, verstorbenen Vater auszugraben

11.05.2026, 20:39 Uhr
00:00 / 02:43
An-Israeli-settler-places-an-Israeli-flag-on-the-day-of-the-re-establishment-of-the-settlement-of-Sa-Nur-which-was-evacuated-as-part-of-Israel-s-2005-disengagement-in-Sa-Nur-in-the-Israeli-occupied-West-Bank-April-19-2026
Israelische Siedler bauen die Siedlung Sa-Nur wieder auf. (Foto: REUTERS)

2005 räumt Israel die Siedlung Sa-Nur im Westjordanland. Doch zuletzt ziehen israelische Siedler wieder in die Gegend im Norden des Palästinensergebiets. Davon ist auch die einheimische Bevölkerung betroffen, wie ein schockierender Vorfall zeigt.

Israelische Siedler im Westjordanland haben eine palästinensische Familie offenbar dazu gezwungen, einen kürzlich verstorbenen Verwandten auszugraben und seinen Leichnam auf einen anderen Friedhof zu bringen. Der Sohn des 80-jährigen Verstorbenen berichtete dem Sender Channel 4, dass der Friedhof, der eigentlich die letzte Ruhestätte seines Vaters sein sollte, zu dem Dorf gehört, in dem die Familie lebt. Bewaffnete Männer hätten jedoch behauptet, der Friedhof gehöre zu einer nahegelegenen israelischen Siedlung.

Nachdem sie bedroht worden seien, habe die Familie die sterblichen Überreste des Mannes auf einen anderen Friedhof in der Nähe gebracht. Einer der Siedler habe gesagt, die Familie könne den Leichnam entweder entfernen "oder ich hole einen Bulldozer, um sie auszugraben und wegzuwerfen", wird der Sohn des Verstorbenen von Channel 4 zitiert. Ein Sprecher der israelischen Armee sagte dem Sender, dass der Befehl zur Verlegung des Leichnams nicht von der Armee kam und Soldaten die Familie bei der Verlegung geschützt hätten.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass der 80-Jährige am vergangenen Freitag eines natürlichen Todes gestorben und noch am selben Abend auf dem Friedhof eines Dorfes in der Nähe der Stadt Dschenin begraben worden sei. "Wir begraben Menschen dort seit Jahrzehnten", sagte der Sohn des Toten der Nachrichtenagentur. Alle notwendigen Genehmigungen für die Bestattung seien vorher vom israelischen Militär eingeholt worden. Das Militär verurteile Aktionen, die die "Würde der Lebenden und Toten" verletze, hieß es in einer Stellungnahme. Soldaten hätten Grabwerkzeuge von israelischen Zivilisten konfisziert.

Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen verurteilte den "entsetzlichen" Vorfall. Dieser ereignete sich dem Bericht zufolge in der Nähe der Siedlung Sa-Nur im Westjordanland. Die Siedlung war 2005 von Israel geräumt worden, im vergangenen Sommer kündigte der ultrarechte israelische Finanzminister Bezalel Smotrich jedoch ihren Wiederaufbau an. Sa-Nur liegt im Norden des besetzten Westjordanlands und ist nach internationalem Recht illegal.

Quelle: ntv.de, dsc/rts/AFP

IsraelPalästinenserWestjordanland