Politik

Überfall im Osten Kongos Italiens Botschafter in Hinterhalt ermordet

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Der Leichnam des Botschafters liegt im Krankenhaus in Goma.

(Foto: REUTERS)

Seit Jahren wüten kriminelle Banden in Ost-Kongo - nun fällt auch der italienische Botschafter der grassierenden Gewalt in der Region zum Opfer. Bei einem Überfall auf einen Konvoi wird er so schwer verletzt, dass er wenig später stirbt. Auch sein Fahrer und ein Leibwächter werden getötet.

Im Osten des zentralafrikanischen Landes Kongo haben bewaffnete Angreifer einen Konvoi des Welternährungsprogramms (WFP) überfallen und dabei den italienischen Botschafter Luca Attanasio getötet. Er erlag kurz nach dem Überfall seinen schweren Verletzungen, wie der zuständige Gouverneur der Region Nord-Kivu, Carly Nzanzu Kasivita erklärte. Nach seinen Angaben schlugen Ranger, die sich zufällig in der Nähe aufhielten, den Angriff zurück. Die Behörden gaben an, dass auch ein Fahrer und der Leibwächter in dem Hinterhalt getötet worden seien.

Das Außenministerium in Rom bestätigte den Tod des Botschafters und eines Sicherheitsbeamten. Außenminister Luigi Di Maio reiste wegen des Vorfalls vorzeitig von einem Treffen in Brüssel zurück nach Italien, wie die Nachrichtenagentur Ansa schrieb. Di Maio habe seine EU-Kollegen zuvor über den Tod des Botschafters informiert. Bundesaußenminister Heiko Maas drückte auf Twitter seine Bestürzung über den Tod des Botschafters aus. "Unsere Gedanken und unser Beileid gelten den Angehörigen der Verstorbenen", hieß es in dem Tweet.

Stunden später machte das Innenministerium der Demokratischen Republik Kongo die ruandische Hutu-Rebellen für die Tötung des Botschafters verantwortlich. Der Überfall auf einen Konvoi sei von bewaffneten Mitgliedern der Rebellengruppe Demokratische Kräfte für die Befreiung Ruandas (FDLR) ausgeführt worden, teilte das Ministerium mit. Außer Attanasio wurden ein italienischer Militärpolizist und ein kongolesischer Fahrer getötet. Die Angreifer hätten zudem vier Menschen entführt, hieß es weiter. Eines der Entführungsopfer sei inzwischen von kongolesischen Soldaten gefunden worden.

Polizei überrascht von Besuch des Botschafters

Die Regierung in Kinshasa erklärte, sie bedauere "diese Tragödie" und wolle "keine Mühen scheuen", um die Sicherheit in der konfliktgeplagten Region im Osten des Landes wiederherzustellen. Die kongolesische Polizei hatte sich unmittelbar nach dem Vorfall überrascht über die Präsenz des Botschafters in der Region und die Tatsache, dass er ohne Polizeischutz unterwegs war, gezeigt. Er war den Angaben zufolge unterwegs zum bekannten Virunga-Nationalpark an der Grenze zu Uganda und Ruanda. Das Unesco-Weltnaturerbe ist berühmt für die stark gefährdeten Berggorillas, die nur in diesen drei Ländern leben.

Die Demokratische Republik Kongo hat mit zahlreichen Konflikten zu kämpfen, vor allem im Osten des riesigen zentralafrikanischen Landes. In Nord-Kivu und den drei anderen östlichen Provinzen bekämpfen sich dutzende Milizen, dabei geht es unter anderem um die Kontrolle über Bodenschätze. Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der UNO mehr als 2000 Zivilisten bei den Kämpfen getötet.

Der bewaffneten Rebellengruppe FDLR gehören überwiegend während des Bürgerkriegs 1994 aus ihrem Heimatland geflüchtete Ruander an. Die Gruppe agiert vor allem im Osten der Demokratischen Republik Kongo, wo ihr immer wieder Verbrechen an der Zivilbevölkerung vorgeworfen werden.

Quelle: ntv.de, jug/jwu/dpa/AFP