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"Brauchen wir noch einen Krieg?" Janukowitsch räumt Mitschuld ein

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Viktor Janukowitsch war zwischen 2002 und 2005 sowie erneut 2006 und 2007 Ministerpräsident der Ukraine.

(Foto: picture alliance / dpa)

Fast eineinhalb Jahre nach den Schüssen auf dem Maidan in Kiew zieht der ehemalige Präsident Bilanz: Viktor Janukowitsch gibt zu, dass er für die mehr als 100 Toten Verantwortung trägt. Einen Ausweg aus dem Bürgerkrieg kennt er aber auch nicht.

Mehr als ein Jahr nach seinem Sturz hat der ehemalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch eine Mitverantwortung für das Blutvergießen auf dem Maidan in Kiew eingeräumt. "Ich leugne meine Verantwortung nicht", sagte Janukowitsch in einem von der britischen BBC veröffentlichten Interview. Wahrscheinlich habe er "nicht genug getan", um die Krise zu verhindern.

Bei den Protesten im Winter 2013/2014 waren rund 100 Menschen getötet worden. Vorwürfe, einen Schießbefehl gegen die Demonstranten gegeben zu haben, wies er zurück. "Ich war kategorisch dagegen", betonte er. Trotzdem hätten die Sicherheitskräfte ihre Pflicht erfüllt und sich an die Gesetze gehalten. "Sie hatten das Recht, Waffen einzusetzen", sagte Janukowitsch.

Die Eskalation lastet Janukowitsch radikalen Kräften unter den Protestierenden an. Diese hätten die gesamte Welt in den Konflikt gezogen, sagte der erholt wirkende 64-Jährige.

"Brauchen wir noch einen Krieg?"

Nach seinem Sturz war Janukowitsch nach Russland geflohen. Den Verlust der Halbinsel Krim bezeichnete er als "Tragödie" und den blutigen Krieg zwischen Regierungstruppen und moskautreuen Separatisten in der Ostukraine als "Alptraum". Über die Zukunft äußerte sich Janukowitsch zurückhaltend. "Wir müssen einen Weg aus dieser Situation hinaus finden. Sie sprechen davon, die Krim zurückzubekommen. Wie? Mit Krieg? Brauchen wir noch einen Krieg?"

In Paris ist am Abend ein Krisentreffen der Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Russlands und der Ukraine zum Konflikt im Donbass geplant. Die diplomatischen Bemühungen werden von neuer Gewalt überschattet. Bei den Gefechten wurden nach Angaben der Konfliktparteien mindestens ein Soldat und zwei Zivilisten getötet.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa

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