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Studie offenbart Notstand Jede zweite Schule kämpft mit Lehrermangel

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Im Durchschnitt sind elf Prozent der Lehrstellen an deutschen Schulen nicht besetzt.

(Foto: imago/STPP)

Deutschen Schulen fehlt es an Lehrern - und der Mangel spitzt sich in den vergangenen Jahren weiter zu. Ein Ergebnis "jahrelanger Fehlplanung", wie der Bildungsverband betont. Quereinsteiger sollen die Lücken stopfen, doch dadurch setzt sich die "Abwärtsspirale" nur weiter fort.

Der Lehrermangel an den allgemeinbildenden Schulen hat sich einer Umfrage zufolge binnen einem Jahr deutlich verschärft. Mittlerweile haben 50 Prozent der Schulleiter mit Lehrermangel zu kämpfen, wie nun eine zweite Forsa-Repräsentativumfrage zur Berufszufriedenheit von Schulleitungen ergab. Bei der Vorgängerbefragung vor einem Jahr hatten noch 36 Prozent von schwerwiegenden Problemen durch Lehrermangel und unbesetzte Stellen berichtet.

Für die aktuelle Studie befragte Forsa im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) vom 22. Januar bis zum 7. März insgesamt 1232 Schulleiterinnen und Schulleiter. "Von den eigentlich zur Verfügung stehenden Stellen sind an den betroffenen Schulen durchschnittlich elf Prozent nicht besetzt", erklärte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann zum Ergebnis der Umfrage. "An mehr als jeder dritten dieser Schulen sind es sogar noch mehr."

Zahl der Quereinsteiger nimmt zu

"Der Mangel ist kein Randphänomen, er ist bestimmend für die Schullandschaft geworden", mahnte Beckmann. Der Mangel an originär ausgebildeten Lehrkräften führt der Umfrage zufolge vor allem zur Einstellung von mehr Seiteneinsteigern. 45 Prozent der Schulleitungen gaben an, Seiteneinsteiger zu beschäftigen - 2018 waren es noch 37 Prozent.

Fast zwei von drei Leitern der Schulen mit Seiteneinsteigern geben zudem an, dass diese keine systematische, pädagogische Vorqualifizierung zur Vorbereitung auf ihr neues Berufsfeld erhalten hätten. Der VBE wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass anderen Untersuchungen zufolge Seiteneinsteiger überproportional häufig in Schulen in schwierigen sozialen Lagen eingesetzt würden.

"Kinder, die auf Lehrkräfte angewiesen sind, die mit besonders viel pädagogischem Geschick bilden und erziehen, wird besonders viel Unterricht durch dafür nicht angemessen qualifizierte Seiteneinsteigende gegeben", gab Beckmann zu bedenken. "Hier setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang, die bald nicht mehr aufzuhalten ist."

"Jahrelange Fehlplanung rächt sich jetzt"

Zudem würden die originär ausgebildeten Lehrkräfte in Zeiten des Lehrermangels immer stärker beansprucht. So gebe jede dritte Schulleitung an, dass die Zahl der langfristig aufgrund psychischer Erkrankungen ausfallenden Lehrer zunehme. "So produziert der Lehrermangel eine Verschärfung des Lehrermangels", erklärte Beckmann. "Die jahrelange Fehlplanung und das maßlose 'Draufsatteln' von Aufgaben rächen sich jetzt."

Der Politik stellten die befragten Schulleiter insgesamt kein gutes Zeugnis aus: Nur zehn Prozent der Schulleitungen fühlen sich durch die jeweiligen Bildungsminister unterstützt. Als größte Belastungsfaktoren nannten Schulleitungen das stetig wachsende Aufgabenspektrum (91 Prozent) und die steigenden Verwaltungsarbeiten (88 Prozent).

86 Prozent der Befragten sahen es darüber hinaus als belastend an, dass die Politik bei ihren Entscheidungen den tatsächlichen Schulalltag nicht ausreichend beachte. 84 Prozent gaben an, dass sich durch die neuen Herausforderungen und Anforderungen an Schule, für "fast alle Lehrkräfte" oder "für die meisten" Mehrbelastungen ergeben.

Quelle: n-tv.de, mba/AFP

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