Politik

Rechte Diktatur immer beliebter Jeder Zehnte im Osten denkt rechtsextrem

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Bestätigung für die Forschungsergebnisse: Auf vielen Protesten gegen die Corona-Maßnahmen wehen Reichsflaggen aus dem rechten Milieu.

(Foto: imago images/Martin Müller)

In Westdeutschland sinkt die Zahl der Rechtsextremen. Im Osten der Republik ist das Gegenteil der Fall. Immer mehr Menschen haben ein klar rechtsextremes Weltbild, immer mehr befürworten eine rechtsautoritäre Diktatur.

Typische rechtsextreme Einstellungen sind in Ostdeutschland auf dem Vormarsch. Das geht aus einer neuen Studie der Universität Leipzig hervor. Demnach stieg der Anteil der Menschen mit einem klar verfestigten rechtsextremen Weltbild dort seit 2018 von 8,5 auf 9,5 Prozent. In Westdeutschland sank er in der gleichen Zeit von 5,9 auf 3,0 Prozent.

Vergleichbare Muster zeigen sich der großangelegten regelmäßigen Untersuchungen des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Leipziger Uni zufolge auch in zahlreichen anderen Dimensionen, die demokratiefeindliche und rechtsextreme Einstellungen abbilden. So erhöhte sich der Anteil der Menschen im Osten, die eine rechtsautoritäre Diktatur befürworten, demnach von 7,0 auf 8,8 Prozent. Im Westen sank er von 2,7 auf 1,8 Prozent.

"Wir können mit einer guten Nachricht aufwarten, müssen aber zugleich auf ein immer noch hohes Niveau bei Ausländerfeindlichkeit und rechtsextremen Einstellungen hinweisen - und darauf, dass autoritäre und antidemokratische Einstellungen eine beständige Bedrohung für unsere offene, liberale Gesellschaft darstellen", sagt Oliver Decker, Direktor des Kompetenzzentrums. "Zudem verfestigen sich bestimmte Ideologien."

Abwertung von Muslimen nimmt ab

Die grundsätzliche Zufriedenheit mit der Demokratie sank im Osten binnen zwei Jahren von 95,2 auf 92,5 Prozent, im Westen stieg sie leicht von 92,8 auf 93,1 Prozent. Auch Verschwörungsmentalitäten und autoritäre Einstellungen waren im Osten teils deutlich stärker verbreitet als im Westen. "Wir sehen sehr deutlich, dass Ost- und Westdeutschland auseinanderklaffen", so Autoritarismus-Forscher Decker.

Demnach zeigt die Studie auch, dass die Zustimmung zu Antisemitismus bundesweit leicht rückläufig ist, ebenso die Abwertung von Muslimen. "Aber wir dürfen uns nichts vormachen, wir verzeichnen bei manchen Fragestellungen weiterhin ein erschreckend hohes Niveau an Zustimmung", berichtet Co-Autor Elmar Brähler. So stimmte mehr als ein Viertel der Befragten der Forderung zu, dass "Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland zu untersagen" sei. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass Sinti und Roma zu Kriminalität neigen. Knapp die Hälfte fühlt sich "durch die vielen Muslime manchmal wie ein Fremder im eigenen Land".

Quelle: ntv.de, chr/AFP