Politik

US-Impftempo nimmt ab Jetzt sind die Zweifler an der Reihe

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Schicker als Mehrzweckhalle: Auch das New Yorker Naturkundemuseum fungiert derzeit als Impfzentrum gegen Covid-19.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Die USA preschen mit Pragmatismus nach vorn: 90 Millionen Bürger sind voll immunisiert. Doch nun gerät die erfolgreiche Kampagne ins Stocken. Die Zweifler und Zauderer sind an der Reihe.

Sie waren zuletzt die Turbo-Impfer, doch aktuell nimmt in den USA die Impfgeschwindigkeit deutlich ab - erstmals seit Februar. Die amerikanische Impfkampagne schaffte es in der zurückliegenden Woche, etwa drei Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner pro Tag zu impfen - das sind elf Prozent weniger als der Tagesdurchschnitt der Woche zuvor. Das Tempo geht zurück, obwohl sich inzwischen alle erwachsenen Bürgerinnen und Bürger in den USA für eine Impfung anmelden können. Die Hälfte aller derzeit impfberechtigten Personen ist mindestens einmal geimpft, etwa 90 Millionen US-Bürger haben nach Aussage der Seuchenbehörde den vollen Immunschutz. In den Vereinigten Staaten leben 328 Millionen Menschen.

Einer der Gründe für den Rückgang könnte den Staaten noch größere Probleme bereiten: Denn inzwischen scheint der allergrößte Teil derjenigen eine Impfung erhalten zu haben, die von sich aus dazu bereit waren. Ab jetzt wird es laut "Washington Post" darum gehen, auch die zu überzeugen, die einer Impfung eher kritisch gegenüberstehen.

Verantwortliche für die Impfkampagne berichten, dass sie nun vor der Herausforderung stehen, die Bevölkerungsgruppen zu impfen, die nur schwer zu erreichen sind - solche, die weit ab auf dem Land leben, oder Senioren, die ans Haus gebunden sind und sich die Impfung nicht aktiv holen können. Dazu müsse das Impfpersonal zunehmend kritische Fragen von denjenigen beantworten, die Nebenwirkungen fürchten, und junge Menschen von einer Impfung überzeugen, die sich selbst gar nicht als gefährdet erachten.

"Das wird jetzt eine sehr viel stärkere Herausforderung vor Ort, wo wir uns auf kleinere Aktionen fokussieren müssen, spezieller zugeschnitten auf die Bedürfnisse und Sorgen von bestimmten Gruppen mit verschiedenen Empfindlichkeiten und verschiedenen Bedarfen", sagt der Bevollmächtigte der Gesundheitsverwaltung von Kentucky, Steven Stack, in der "Post".

Kein Amerikaner soll einen Dollar Gehalt verlieren

US-Präsident Joe Biden pflichtet ihm indirekt bei, wenn er erklärt, die Zeit sei reif, "eine neue Phase dieses historischen Impfeinsatzes zu eröffnen. Um es einfach zu machen: Wenn Sie bislang darauf gewartet haben, an die Reihe zu kommen, warten Sie nicht länger." Als ein weiteres Argument zur Überzeugung versprach Biden am Mittwoch Steuererleichterungen für kleinere Betriebe, die ihren Angestellten bezahlten Urlaub zur Verfügung stellen, um eine Impfung zu erhalten und sich von möglichen Nebenwirkungen zu erholen. "Kein arbeitender Amerikaner sollte einen einzigen Dollar seines Gehaltsschecks verlieren, weil er seine patriotische Pflicht erfüllt, geimpft zu werden", sagte Biden.

Dass das Angebot mittlerweile in den USA die Nachfrage nach Impfdosen übersteigen könnte, möchte das Weiße Haus indes noch nicht bestätigen. Rund 40.000 Apotheken sind jetzt auch in die Impfkampagne mit eingebunden. Nach Regierungsangaben haben 90 Prozent der US-Bürger ein Impfangebot weniger als acht Kilometer von ihrem Wohnort entfernt. In manchen großen Impfzentren werden auch Immunisierungen rund um die Uhr angeboten. Grundsätzlich ist der Bürokratieapparat in den USA um vieles kleiner als in Deutschland. Die Bereitschaft zum Pragmatismus zahlt sich hier beim Impfen ähnlich stark aus wie es in Israel der Fall ist.

In vielen Impfzentren im Land sind außerdem Freiwillige für logistische Aufgaben im Einsatz - viele von ihnen haben im Gegenzug für ein paar Stunden Mitarbeit eine Impfung bekommen, früher als sie sonst dran gewesen wären. Mobile Impf-Trucks wiederum rollen durch ländliche Gebiete. Im Bundesstaat Maryland etwa klappert eine mobile Einheit unter anderem gezielt entlegene Geflügelbetriebe ab, um dort Arbeiter zu impfen, die andernfalls womöglich nicht den Weg zur nächsten Impfstelle antreten würden.

Auch die Impfpause für den Wirkstoff von Johnson & Johnson, die verhängt worden war, um mehrere Fälle von gefährlichen Blutgerinnseln zu untersuchen, hat Tempo aus der Impfkampagne genommen. Doch verliert der Impfstoff ersten Umfrage zufolge nicht das Vertrauen der US-Bürger, die weiterhin zu 65 bis 70 Prozent angeben, eine Impfung bereits erhalten zu haben oder demnächst zu erhalten. Der Wert unterscheidet sich marginal von vorigen Resultaten. Seit Freitag wird das Präparat von Johnson & Johnson wieder verimpft.

Doch noch immer haben sich Millionen von Bundesbürgern nicht für eine Impfung angemeldet, denen womöglich der Aufwand zu groß erscheint oder die lieber einige Zeit abwarten wollen, bis aussagekräftigere Studien zu möglichen Langzeitfolgen der Impfung publiziert sind.

Quelle: ntv.de, fni

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