Politik

Schritt "nicht leichtgefallen" Bundestagsabgeordnete Joana Cotar tritt aus AfD aus

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Nach fast zehn Jahren kehrt sie der AfD den Rücken: Bundestagsabgeordnete Joana Cotar.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit der Haltung der AfD zu Russland, China und Iran habe die Partei "zu viele rote Linien überschritten", sagt die AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar. Das will sie nicht mehr mittragen und verlässt nach zehn Jahren Mitgliedschaft die Partei - und damit auch die Bundestagsfraktion.

Die Bundestagsabgeordnete Joana Cotar verlässt die AfD. Die hessische Abgeordnete gab auf ihrer Facebook-Seite ihren Austritt aus Partei und Fraktion bekannt. Auf ihrer Website schrieb Cotar, die sich zur moderaten Strömung der Partei zählte und zwischenzeitlich Mitglied des Bundesvorstandes war: "Im Kampf gegen innerparteiliche Gegner ist Dauermobbing an der Tagesordnung - angefeuert von der Spitze der Partei und ihrer Netzwerke." Darüber sei der "Kampf um ein besseres Deutschland" in den Hintergrund gerückt.

Im Gegensatz zu anderen ehemaligen AfD-Mitgliedern, die sich in den vergangenen Jahren aus der Partei verabschiedet hatten, begründete die Digitalpolitikerin ihren Schritt nicht direkt mit einem weiteren Rechtsruck der AfD. Cotar warf der AfD zwar vor, "zu viele rote Linien überschritten" zu haben. Sie schrieb aber: "Nicht der extreme Rechtsaußen-Rand der AfD war und ist das Problem, der war immer in der Minderheit." Problematischer seien "die Opportunisten, die für Mandate ihre Überzeugungen aufgeben, sich kaufen lassen und morgen das Gegenteil dessen vertreten, für das sie heute noch stehen".

Außerdem kritisierte Cotar "die große Nähe führender AfD-Funktionäre zum Präsidenten der Russischen Föderation", Wladimir Putin. Dies wolle und werde sie nicht mehr mittragen. Sie hielt fest: "Die Anbiederung der AfD an die diktatorischen und menschenverachtenden Regime in Russland, China und jetzt auch den Iran sind einer aufrechten, demokratischen und patriotischen Partei unwürdig."

Cotar war 2021 gemeinsam mit Joachim Wundrak angetreten, um die AfD als Spitzenduo in den Bundestagswahlkampf zu führen. Bei einer Mitgliederbefragung unterlagen die beiden. Das Rennen machten Tino Chrupalla und Alice Weidel.

"Herz der Partei schlägt heute sehr weit rechts"

Cotar ist enge Vertraute von Jörg Meuthen. Der langjährige AfD-Vorsitzende trat bereits Anfang des Jahres aus der Partei aus. Meuthen verband seinen Austritt mit harter Kritik am Zustand seiner Partei: So wie sich die Partei entwickele, gebe er "dem ganzen Projekt keine Zukunft mehr", sagte der gebürtige Essener im Januar. "Ich habe versucht, die AfD in eine andere Richtung zu bewegen", so Meuthen. "Damit bin ich gescheitert." Teile der Partei stünden seiner Meinung nach "nicht auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung".

"Ich sehe da ganz klar totalitäre Anklänge", sagte Meuthen. Gerade in der Corona-Politik habe die AfD etwas Sektenartiges entwickelt. "Das Herz der Partei schlägt heute sehr weit rechts und es schlägt eigentlich permanent hoch."

(Dieser Artikel wurde am Montag, 21. November 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, hny/AFP

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