Politik

Der Premier als Romantiker Johnson landet mit Werbespot viralen Hit

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In den sozialen Netzwerken ist Boris Johnson derzeit in einem weihnachtlichen Werbeclip zu sehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Wahlkampf-Endspurt versucht der britische Premier Johnson, mit einem romantisch angehauchten Werbespot zu punkten. Die an einen Liebesfilm angelehnte Parodie kommt im Netz gut an. Schauspieler und Johnson-Widersacher Hugh Grant reagiert sarkastisch.

Kurz vor der Parlamentswahl in Großbritannien hat Premier Boris Johnson mit einem an den Liebesfilm "Love Actually" ("Tatsächlich ... Liebe") angelehnten Werbespot gepunktet. In dem über Twitter rasend schnell verbreiteten Beitrag spielt Johnson eine Schlüsselszene aus dem Film nach: Ein Mann gesteht mit Botschaften auf Pappschildern der Frau eines Freundes seine Liebe.

In der neuen Version klingelt ein schweigsamer Johnson zur Weihnachtszeit mit mehreren Schildern unter dem Arm an der Tür einer Frau. Mit Verweis auf die Plakate bittet er die Frau, seine Konservative Partei zu wählen. Auf einem der Schilder heißt es in Anspielung auf Labour-Chef Jeremy Corbyn: "Der andere könnte gewinnen." Oder: "Mit ein bisschen Glück werden wir im neuen Jahr den Brexit erledigt haben (falls das Parlament ihn nicht wieder blockiert)".

Johnsons Wahlspot wurde in den sozialen Netzwerken rasch zum Erfolg. Allein auf Twitter wurde der Clip bis zum Nachmittag mehr als zwei Millionen Mal angeklickt. Zugleich handelte sich der Premierminister Plagiatsvorwürfe ein: Die Labour-Kandidatin Rosena Allin-Khan warf Johnson vor, ihre Idee für die Wahlwerbung geklaut zu haben. Auch sie hatte die Schlüsselszene des Liebesfilms nachgeahmt - aber für Labour damit geworben. Sie hatte ihren Beitrag bereits am 22. November veröffentlicht.

Pikant ist Johnsons Parodie auch deshalb, weil mit Hugh Grant, einer der Hauptdarsteller des Originalstreifens von 2003, ein Anhänger der gegen den Brexit kämpfenden Liberaldemokraten ist. Der Schauspieler zieht derzeit mit der Oppositionspartei von Haustür zu Haustür, um die Briten zum taktischen Wählen zu animieren.

In einem BBC-Interview mutmaßte Grant, das hochwertig hergestellte Video sei mithilfe russischer Wahlkampfspenden bezahlt worden. Eine Anspielung auf den von der Regierung unter Verschluss gehaltenen Bericht des Geheimdienstausschusses über russische Einmischung in die britische Politik. Zudem merkte er an, dass Schauspieler Andrew Lincoln im Original eine Karte mit der Aufschrift "Wegen Weihnachten sagst du die Wahrheit" in die Höhe hält. Johnsons Wahlkampf-Leute hätten wohl gedacht, dass das bei Johnson "nicht so großartig aussehen würde".

Auch zwei ehemalige Parteifreunde Johnsons, die sich gegen den harten Brexit-Kurs des Premiers gestellt hatten, reagierten auf den Clip und veröffentlichten ein Foto auf Twitter. "Brexit won't get done actually" (Der Brexit wird nicht wirklich durchgezogen), steht auf einem Pappschild, das Ex-Justizminister David Gauke der ehemaligen Arbeitsministerin Amber Rudd entgegenhält. Eine Anspielung auf Johnsons Wahlslogan "Get Brexit Done" (Den Brexit durchziehen).

Die Briten wählen an diesem Donnerstag ihr neues Parlament. Johnson führt derzeit eine Minderheitsregierung an und will sich mit der Neuwahl mehr Unterstützung für sein Brexit-Abkommen sichern. Nach wie vor haben die Konservativen in Umfragen die Nase vorn.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/AFP