Politik

Rauswürfe und Rücktritte Johnson wirft Konkurrenten Hunt raus

imago92419706h.jpg

Neuer Hausherr in Downing Street 10: Boris Johnson baut sofort nach der Amtsübernahme das Kabinett um.

(Foto: imago images / i Images)

Nachdem die Queen Boris Johnson mit der Regierungsbildung beauftragt hat, leeren sich die Reihen in seinem Kabinett. Mehrere Minister treten zurück. Andere entlässt der neue Premier selbst. Auch Hunt, sein Konkurrent ums Spitzenamt, verliert den Job.

Es ist ein Tag der großen Abschiede in London. Nicht nur Premierministerin Theresa May geht, auch Außenminister Jeremy Hunt verliert sein Amt. Das teilte der prominente Tory-Politiker auf Twitter mit. Er war der unterlegene Bewerber um den Posten des Tory-Chefs und damit des Premierministers. Boris Johnson entzieht ihm gleich nach seinem Einzug in Downing Street Nr. 10 das Außenministerium.

Hunt schrieb, er wäre gerne Außenminister geblieben, aber er respektiere Johnsons Wusch, ein neues Team zu präsentieren. Der Premier habe ihm eine andere Rolle angeboten, die er ausgeschlagen habe. Johnson habe aber seine volle Unterstützung.

Wie der "Guardian" schreibt, entließ Johnson neben Hunt auch eine Reihe weiterer Minister. Zu ihnen gehört Verteidigungsministerin Penny Mordaunt, mit der es einem Bericht zufolge nur ein "sehr kurzes" Treffen gab. Angeblich musste sie ihren Posten räumen, weil sie Johnsons Konkurrenten Hunt unterstützt hatte. Aus diesem Grund mussten offenbar auch Handelsminister Liam Fox, Wirtschaftsminister Greg Clark und Bildungsminister Damian Hinds gehen. Damit wird deutlich, was zuvor schon Medien spekulierten: Johnson baut das Kabinett in größerem Maßstab um. Offenbar sollen ihm künftig mehr Brexit-Hardliner angehören.

Kurz vor Johnsons offizieller Ernennung erklärten bereits der britische Finanzminister Philip Hammond und weitere Kabinettsmitglieder ihren Rücktritt. Hammond legte seine Entscheidung in einem Brief an die bisherige Regierungschefin Theresa May dar. Auch Justizminister David Gauke und Entwicklungsminister Rory Stewart nahmen ihren Hut.

Der neue Regierungschef solle sich einen Schatzkanzler suchen, "der vollkommen auf Linie mit seiner politischen Position ist", schrieb Hammond. Außerdem warnte er, dass die Ungewissheit über die Form des Brexits für "Unsicherheit" in der Wirtschaft sorge. Bereits am Freitag hatte Hammond erklärt, er könne Johnsons Ankündigung, Großbritannien notfalls auch ohne Austrittsvertrag bis zum 31. Oktober aus der EU zu führen, niemals unterstützen. Gauke hatte am Sonntag bereits angekündigt, dass er Johnson die Gefolgschaft verweigern werde. Außenstaatssekretär Alan Duncan reichte sein Rücktrittsgesuch bereits am Montag bei May ein.

Die drei EU-freundlichen Tory-Politiker sind mit ihren Rücktritten einem Rauswurf durch Johnson wohl zuvorgekommen. Auch Vize-Premierminister David Lidington gab sein Amt auf.

Mehr Brexiteer im künftigen Kabinett erwartet

Es wird erwartet, dass Johnson die Namen zumindest einiger der neuen Kabinettsmitglieder in Kürze verkündet. Nach einem Bericht der "Times" wird Ex-Entwicklungsministerin Priti Patel eine Schlüsselposition übernehmen: Sie soll Innenministerin werden. Patel war im November 2017 zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass sie sich ohne Absprache im Israel-Urlaub mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu getroffen hatte. Die 47-Jährige ist eine große Brexit-Anhängerin und zählt zum rechten Tory-Flügel. 

Vorab wurde bereits bekannt, dass Johnson den Strategen der Brexit-Kampagne, Dominic Cummings, in sein Team berufen wird. Offiziell stand Johnson 2016 an der Spitze der Unterstützungskampagne für den Brexit, "Vote Leave". Hinter den Kulissen spielte Cummings aber eine entscheidende Rolle. In der Brexit-Kampagne, die zum überraschenden Sieg der Austrittsbefürworter bei der Volksabstimmung im Juni 2016 führte, setzte Cummings auf die Breitenwirkung der Online-Netzwerke.

Umfrage: Nur 31 Prozent der Briten sind für Johnson

Nach Mays Entscheidung zum Rückzug wegen des Brexit-Chaos hatten die Mitglieder der konservativen Tories einen neuen Partei- und damit auch Regierungschef gewählt. Am Dienstag wurde das Ergebnis verkündet, wonach Ex-Außenminister Johnson in der Stichwahl fast doppelt so viele Stimmen wie der amtierende Außenminister Jeremy Hunt erhielt.

Laut einer Umfrage, die das Institut YouGov veröffentlichte, liegt Johnsons Zustimmungsrate in der Bevölkerung allerdings nur bei 31 Prozent. Die britische Königin Elizabeth II. will den 55-Jährigen am Mittwochnachmittag empfangen und mit der Regierungsbildung beauftragen.

Quelle: ntv.de, ghö/mau/AFP/dpa