Politik

Maas im "ntv Frühstart" Judenhass "hat uns nicht verlassen"

Ein Jahr nach dem Anschlag von Halle mahnt Außenminister Heiko Maas, dass Staat und Gesellschaft im Kampf gegen Antisemitismus weiter gegenhalten müssen. Er sieht aber auch einen Aufschwung jüdischen Lebens in Deutschland.

Bundesaußenminister Heiko Maas von der SPD hat auch ein Jahr nach dem rechtsterroristischen Anschlag von Halle eingeräumt, dass es eine antisemitische Bedrohung in Deutschland gibt. "Man kann nicht sagen, dass das Problem uns verlassen hat", sagte Maas der RTL/ntv-Redaktion. "Und die Tatsache, dass wir überhaupt jüdische Einrichtungen schützen müssen im Jahr 2020, ist eigentlich ein Zustand, der nicht akzeptabel ist."

Maas verwies auf den Aufschwung jüdischen Lebens in Deutschland. Es gebe viel Zuzug aus Israel, gerade auch nach Berlin. Zugleich kann in der Hauptstadt nicht überall eine Kippa getragen werden. Wenn sich jüdische Mitbürger davon abschrecken ließen, sei das sehr bedauerlich. "Ich könnte auch verstehen, wenn jemand der Auffassung ist: Ich will das nicht oder ich würde mich zumindest zeitweise von hier zurückziehen." Maas fügte hinzu, dass er "denjenigen oder diejenigen mit allem, was mir zur Verfügung steht, versuchen würde zu überzeugen, dass das nicht notwendig ist."

Am 9. Oktober 2019 hatte der schwer bewaffnete Rechtsextremist Stephan B. versucht, die Synagoge in Halle am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur zu stürmen und ein Massaker unter den 52 Besuchern anzurichten. Als ihm dies nicht gelang, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin vor dem Gotteshaus und in einem nahen Dönerimbiss einen 20 Jahre alten Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Deutsche mehrere Menschen teils sehr schwer. Gegen den heute 28-Jährigen aus Sachsen-Anhalt läuft am Oberlandesgericht Naumburg der Prozess.

Quelle: ntv.de, ako/AFP