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Klima-Ranking der Ministerien Kanzleramt enttäuscht im Klimatest

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Das Bundeskanzleramt lieferte enttäuschende Zahlen im "Klima-Check" der Umwelthilfe.

(Foto: imago images / photothek)

Gedämmte Hausfassaden und moderne Technik können dazu beitragen, ein Gebäude klimaschonend zu beheizen. Im Berliner Regierungsviertel scheint sich das allerdings noch nicht überall herumgesprochen zu haben.

Viele Amtsgebäude im Berliner Regierungsviertel haben beim klimaschonenden Heizen erheblichen Nachholbedarf. Während sich das vor wenigen Jahren erbaute Bildungsministerium beim "Klima-Check" der Deutschen Umwelthilfe (DUH) als vorbildlich erwies, schnitt das Kanzleramt vergleichsweise schlecht ab. Das teilte die Umwelthilfe mit, die Energieausweise der Ministeriumsbauten miteinander verglichen hatte.

Das Bildungsministerium schnitt mit einem Primärenergiebedarf von 36 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter mit Abstand am besten ab. Das Bundeskanzleramt belegte hingegen mit 195 Kilowattstunden je Quadratmeter den vorletzten Platz.

Familienministerium ist Schlusslicht

Für die stellvertretende DUH-Geschäftsführerin Barbara Metz ist das insgesamt mäßige Ergebnis bezeichnend für die Politik der Bundesregierung. Gerade im Gebäudesektor gebe es seit über einem Jahrzehnt einen klimapolitischen Stillstand. Der sogenannte Energiebedarfsausweis bewertet den energetischen Zustand der Bausubstanz, gibt aber keine detaillierte Auskunft über die Dämmung der Außenwände oder die jeweilige Heiztechnik.

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Das Bundesministerium für Bildung und Forschung soll besonders klimafreundlich sein.

(Foto: imago images / Schöning)

Über die Gründe für die stark unterschiedlichen Werte kann die Umwelthilfe deshalb nur spekulieren. Sie vermutet, dass die jeweils verwendeten Energieträger eine entscheidende Rolle spielen - also dass im Kanzleramt mutmaßlich mit Öl geheizt wird, während das Bildungsministerium wohl auf erneuerbare Energien setzt, die sich bei der Berechnung des Energiebedarfs positiv auswirken. Einen schlechteren Wert als das Kanzleramt wies lediglich das Familienministerium (211 kWh/m²) auf.

Grüne: Ergebnis ist eine Blamage

An der Spitze rangierten hinter dem Bildungsministerium das Umweltministerium (67 kwh/m²), das Auswärtige Amt (68 kWh/m²) und das Landwirtschaftsministerium (68 kWh/m²). Das neue Innenministerium, das genauso wie das Bildungsministerium erst 2014 erbaut wurde, belegt mit 115 kWh/m² lediglich einen Platz im Mittelfeld. Ein Sprecher des Ministeriums konnte dieses Ergebnis nach eigenen Worten allerdings nicht nachvollziehen. Schließlich habe man beim Bau des Hauses auf die neuesten Materialien und auf klimaneutrale Anlagen gesetzt.

Die Grünen bezeichneten das Ergebnis als Blamage. "Statt die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand ernst zu nehmen, blockiert die Regierung die energetische Sanierung ihrer eigenen Liegenschaften seit Jahren", klagte die Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden.

Die Umwelthilfe warf der Koalition vor, den Klimaschutz im Gebäudebereich gegen die Wand zu fahren. Sie fordert unter anderem die steuerliche Absetzbarkeit der energetischen Gebäudesanierung und ein Verbot neuer Ölheizungen ab dem Jahr 2020.

Quelle: n-tv.de, ter/dpa

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