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Donnerstag, 22. November 2018

"Hinterwäldlerische Haltung": Karliczek für Aussage zu Homo-Ehe kritisiert

Die Einstellung der Bildungsministerin zur Kindeserziehung durch homosexuelle Paare polarisiert. Die Opposition wirft ihr Begriffe wie "Realitätsverweigerung" oder "Scheinargumente" entgegen und sieht sich durch Gesellschaft und Wissenschaft bestätigt.

Bildungsministerin Anja Karliczek weht nach ihrer umstrittenen Äußerung zu gleichgeschlechtlicher Elternschaft und der Einführung der "Ehe für alle" ein rauer Wind entgegen. Parteivertreter der Grünen und Linken haben Karliczeks Einstellung heftig kritisiert. Es sei eine "ärgerliche Realitätsverweigerung", dass die Bildungsministerin die Lebensbedingungen von Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern nicht ausreichend erforscht sehe, sagte Linken-Politikerin Doris Achelwilm den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Gesellschaft und Wissenschaft lieferten ausreichend Belege, dass es Kindern aus sogenannten Regenbogenfamilien nicht schlechter gehe als anderen, so Achelwilm.

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"Karliczek kleidet Vorurteile in unsachgemäße Scheinargumente", so die Sprecherin der Linksfraktion für "Queerpolitik". Die Behauptung, dass die Eheöffnung 2017 nicht ausreichend gesellschaftlich debattiert worden sei, deklarierte Achelwilm als "diskriminierenden Unsinn". Die ‚Ehe für alle‘ sei 2017 im Bundestag beschlossen worden, weil sich die Mehrheit der Bevölkerung dafür ausgesprochen.

Karliczek hatte in der Sendung "Klamroths Konter" auf n-tv gesagt, dass es eine "spannende Forschungsfrage" sei, welche Auswirkungen gleichgeschlechtliche Elternschaft auf Kinder hätten." Die Entscheidung für die Einführung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare bezeichnete sie als "überstürzt". Die Vorgehensweise hätte eher für Polarisierung gesorgt. Karliczek selbst hatte 2017 gegen die "Ehe für alle" gestimmt.

"Offenbar die letzten Jahrzehnte geschlafen"

Der Grünen-Abgeordnete Sven Lehmann wählte noch drastischere Worte: Karliczek habe "offenbar die letzten Jahrzehnte geschlafen". "Wenn die Ministerin eine Langzeitstudie will, dann besser eine darüber, wie sich eine so hinterwäldlerische Haltung auf die Amtsausübung auswirkt", sagte Lehmann. Studien über Kinder gleichgeschlechtlicher Elternpaare gebe es zur Genüge.

In die gleiche Kerbe schlug auch Familienministerin Franziska Giffey. "Schon heute belegen Studien, dass sich Kinder in homosexuellen Partnerschaften genauso gut entwickeln wie in Familien mit Mutter und Vater", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Was zähle, sei, dass sich Menschen liebevoll um ihre Kinder kümmern. "Kinder brauchen ein gutes Familienklima und gute Beziehungen zu denen, die für sie sorgen", so Giffey weiter.

Quelle: n-tv.de