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Ob ein Patient überhaupt einen Termin bekommt, kann von seiner Kasse abhängen.
Ob ein Patient überhaupt einen Termin bekommt, kann von seiner Kasse abhängen.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 11. Januar 2018

Wenn das Quartal zu Ende geht: Kassenpatienten werden abgewimmelt

Eine Studie zeigt: In vier Monaten im Jahr, jeweils zum Ende eines Quartals, bekommen Kassenpatienten bei Fach- und vor allem Hausärzten mitunter keinen Termin mehr. Der Grund ist das sogenannte Regelleistungsvolumen, das Kosten deckeln soll.

"Und in welcher Kasse sind Sie?" Die meisten Menschen, die schon einmal bei einem Arzt angerufen haben, um einen Termin zu bekommen, werden diese möglichst beiläufig eingeschobene Frage der Sprechstundenhilfe kennen. Eine Studie des Gesundheitsökonomen Mathias Kifmann von der Universität Hamburg zeigt, dass dieser Eindruck keine individuelle Erfahrung ist.

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Wer abgewimmelt wird, ist vermutlich Kassenpatient. Und wahrscheinlich ist es März, Juni, September oder Dezember. Denn immer am Ende des Quartals fangen viele Ärzte an zu sparen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung", die über die Studie berichtet. Das führe dazu, dass gesetzlich versicherte Patienten in diesen Monaten auf Bereitschaftsdienste ausweichen müssten.

Mit 70 Prozent unterliegen die meisten Leistungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, dem sogenannten Regelleistungsvolumen, einer Art Obergrenze, mit der die Ausgaben im Gesundheitswesen gedeckelt werden sollen. Bei Hausärzten sind es sogar 86 Prozent, denn auf der entsprechenden Liste stehen vor allem grundlegende Dinge wie Patientengespräche und Routineuntersuchungen. Hat ein Arzt zu viele Patienten behandelt, bekommt er die überschüssige Leistung nur "zu einem abgestaffelten Preis vergütet", wie es beim Bundesverband der Gesetzlichen Krankenkassen heißt. Die übrigen 30 Prozent fallen in den Bereich der extrabudgetären Leistungen. Dazu zählen etwa ambulante Operationen, Vorsorgeuntersuchungen und Krebsbehandlungen. Für sie erhält ein Arzt immer den vollen Preis der Gebührenordnung.

Wenn es um Routinebehandlungen geht, sind Kassenpatienten also klar benachteiligt, denn für Privatpatienten gibt es keine vergleichbare Einschränkung. Dennoch glaubt Kifmann nicht, dass eine Bürgerversicherung diese Ungerechtigkeit beseitigen würde: Auch wenn alle Bürger gesetzlich versichert wären, müsste die Bezahlung der Ärzte begrenzt werden, sagte er der SZ, da ansonsten eine Kostenexplosion drohe. Zudem legt die Studie nahe, dass die Benachteiligung auch einen Vorteil hat: Weil sie mehr Geld bringen als Kassenpatienten, laufen Privatpatienten Gefahr, überversorgt zu werden.

Die SPD fordert seit Jahren eine Bürgerversicherung, die faktisch auf ein Ende der privaten Krankenkassen hinauslaufen würde. Dies lehnt die Union kategorisch ab. Der CSU-Gesundheitsexperte Georg Nüßlein sagte vor Beginn der Sondierungen von Union und SPD, in der vergangenen Legislaturperiode hätten die Sozialdemokraten eine Reform der privaten Krankenversicherung abgelehnt, weil sie diesen Teil des Gesundheitssystems nicht hätten stützen wollen. Bislang ist nicht bekannt, ob beziehungsweise worauf sich SPD und Union in ihren Sondierungsgesprächen in der Gesundheitspolitik geeinigt haben.

Quelle: n-tv.de