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Vergütete Erzieherausbildung Kita-Offensive kommt Gewerkschaft zu spät

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320.000 Erzieher fehlen bis zum Jahr 2025, rechnet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vor.

(Foto: dpa)

Bislang erhalten nur wenige Erzieher in ihrer Ausbildung Geld. Familienministerin Giffey will das ändern. Doch ihre Offensive geht Politikern und Gewerkschaft nicht weit genug. Sie sprechen von einem "Tropfen auf den heißen Stein".

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat mehr Anstrengungen bei der Fachkräfteoffensive für Erzieher gefordert. Er glaube, dass die Offensive von Familienministerin Franziska Giffey zu spät komme, sagte Björn Köhler vom GEW-Bundesvorstand dem Bayerischen Rundfunk. Wenn die Qualität der Kitas ausgebaut werden solle, gebe es eigentlich einen Bedarf von fast 600.000 Erziehern bis zum Jahr 2025. "Das heißt, wir haben eine Lücke von 320.000 Fachkräften, die noch nicht geschlossen ist." Die 50.000 Stellen, die mit der Fachkräfteoffensive des Bundesfamilienministeriums geschaffen werden könnten, nannte Köhler "einen Tropfen auf den heißen Stein".

Giffey will mit Bundesmitteln den Fachkräftemangel in den Kitas mildern: Sie stellte ein Förderprogramm für die Erzieherausbildung mit einem Volumen von 300 Millionen Euro vor. "Es muss attraktiver werden, eine Ausbildung anzufangen, sie abzuschließen und danach im Beruf zu bleiben", so die SPD-Politikerinn. "Das ist eine Aufgabe für alle: Bund, Länder, Kommunen und Tarifparteien."

Das Programm sieht vor, von 2019 bis 2022 den Ländern und damit den Einrichtungen vor Ort insgesamt rund 300 Millionen Euro als Impuls zur Verfügung zu stellen - zusätzlich zu den 5,5 Milliarden Euro aus dem Gute-Kita-Gesetz, die unter anderem für einen besseren Personalschlüssel und bedarfsgerechte Öffnungszeiten verwendet werden sollen.

Mit dem zusätzlichen 300-Millionen-Euro-Programm soll Giffeys Worten zufolge eine praxisintegrierte vergütete Ausbildung eingeführt werden. Nach ihren Worten gibt es bislang nur bei 19 Prozent der Ausbildungsplätze eine Vergütung. Nunmehr sollen 5000 Plätze in der praxisintegrierten Ausbildung von Erzieherfachschülern gefördert werden, und zwar ab dem Ausbildungsjahr 2019. Im ersten Jahr ist eine monatliche Ausbildungsvergütung von 1140 Euro brutto vorgesehen, im zweiten Jahr steigt sie auf 1202 Euro, im dritten auf 1303 Euro.

"Aufstiegsbonus" für Zusatzqualifikationen

Zudem soll es mehr Praxisanleitung geben: Erreicht werden soll, dass sich mehr Erzieher zu professionellen Anleitungsfachkräften weiterqualifizieren. Außerdem soll es einen "Aufstiegsbonus" geben: Damit sich höhere Qualifikation und die Übernahme besonderer Verantwortung besser bezahlt machen, werden Zuschüsse zur Vergütung von Fachkräften gefördert, die aufgrund einer Zusatzqualifikation mit einer besonderen Aufgabe betraut werden und so mehr verdienen. "Alle Bemühungen um mehr Qualität werden nur dann funktionieren, wenn es fähige Menschen gibt, die das vor Ort machen", sagte Giffey. Nach aktuellen Berechnungen wird die Personallücke laut der SPD-Ministerin in der frühen Bildung bis zum Jahr 2025 bei bis zu 191.000 Erziehern liegen.

Der Linken-Familienexperte Norbert Müller warf Giffey vor, sie wolle das Geld nach dem "Gießkannenprinzip" verteilen. Dies sei weder nachhaltig, noch werde es den Fachkräftemangel kurzfristig beseitigen.

Der Deutsche Städtetag forderte Verbesserungen für Quereinsteiger im Erzieherberuf. Für sie solle "die berufsintegrierte Ausbildung und für lebenserfahrene Bewerberinnen und Bewerber die Vollzeitausbildung erleichtert werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetages, Helmut Dedy, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er forderte von Bund und Ländern zudem, dass sie entsprechende Ausbildungsabschlüsse innerhalb der EU zügig anerkennen und klare Rahmenbedingungen für eine betriebliche, duale Ausbildung als weitere Ausbildungsoption schaffen sollten.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP

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