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Fridays-for-Future-Kongress Klimaaktivisten lässt Kritik kalt

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Bis Sonntag werden mehr als 1400 Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten in Dortmund erwartet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschlandweit protestieren Schüler seit Monaten für das Klima. Jetzt treffen sich die Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung in Dortmund für einen Kongress. Dafür bekommen sie nicht nur prominentes Lob von einem Entertainer, sondern auch Kritik aus der CDU.

Hunderte Klimaaktivisten aus ganz Deutschland sind zu einem Kongress der Fridays-for-Future-Bewegung nach Dortmund gereist. Bis Sonntag werden mehr als 1400 Schüler und Studenten erwartet. Dort wollen sie sich persönlich kennenlernen, besser vernetzen und die Bewegung stärken. Auch der künftige Kurs wird beraten. Entscheidungen sollen ausdrücklich nicht getroffen werden, hieß es aus dem Organisationsteam. Bei Podiumsgesprächen und in Arbeitsgruppen befassen sich die Teilnehmer mit ihren Forderungen sowie den Zusammenhängen des Klimawandels, eignen sich aber auch methodisches Rüstzeug auf den Feldern Rhetorik oder Kampagnenarbeit an. Am Freitagvormittag ist eine Kundgebung in der Innenstadt geplant.

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Fernsehmoderator Joko Winterscheidt unterstützt die Klimaaktivisten.

(Foto: dpa)

Mit einem Streikaufruf "an alle" stärkte Entertainer Joko Winterscheidt den jungen Klimaaktivisten den Rücken. "Warum geht nur ihr auf die Straße? Warum sind es nicht die Leute, die am Freitag in einem Büro sitzen?", rief er den Teilnehmern des Kongresses in Dortmund zu. "Warum legt man nicht einfach mal - steile These - dieses Land lahm an einem Freitag?" Alle zeigten immer begeistert auf das, was die jungen Aktivisten bisher geleistet hätten, "aber viel zu viele bleiben zu Hause". Er sei beeindruckt vom Engagement der Bewegung. "Ihr seid dabei, etwas zu verändern", sagte Winterscheidt. "Von wegen, die Jugend hätte kein Interesse, ihr seid diejenigen, die alles richtig machen."

Kritik und Forderung nach "mehr Realitätssinn"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer äußerte sich hingegen skeptischer zu den jungen Klima-Aktivisten. Er fordert von ihnen mehr Realitätssinn. Die prominente Klima-Aktivistin Greta Thunberg sei für ihn "eine junge Frau, die in den Medien sehr präsent ist, Forderungen aufstellt, aber dazu keinen Weg zeigt und keine Antworten gibt", sagte Kretschmer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Ich nehme Fridays for Future sehr ernst. Dort ist aber immer wieder zu hören: Wir stellen Forderungen und ihr habt sie einzulösen. Das geht nicht auf dem Weg zu mehr Klimaschutz. Klimaschützer, zu denen ich mich auch zähle, sollten abwägen können, was machbar ist und was nicht."

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Kritik kam auch von der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann. Je länger die "Fridays for Future"-Proteste dauern, desto schärfer könnten ihrer Ansicht nach auch die Folgen für die meist jugendlichen Demonstranten werden. "Das Schwänzen hat natürlich Konsequenzen", sagte die CDU-Politikerin. "Und wenn es dauerhaft wird, werden diese zwangsläufig zunehmen." Viele Schulen reagierten derzeit mit Nachholstunden, Strafarbeiten oder Verweisen, andere brächten das Thema Klimaschutz stärker im Unterricht ein. Aber: "Wenn Arbeiten versäumt und nicht nachgeschrieben werden, kann es auch mal eine Sechs geben", warnte Eisenmann. Sie habe Verständnis für die Sorgen und die Forderungen der Jugendlichen. "Ich finde es gut, was die jungen Leute machen", sagte sie, ergänzte jedoch: "Unterricht kann nicht kontinuierlich gegen Klimaschutz ausgespielt werden."

Bei vielen Teilnehmern des Sommerkongresses rief die Warnung der Kultusministerin nur Achselzucken hervor. "Wir sind über diese Diskussion schon lange hinaus. Die meisten haben doch verstanden, dass die Schüler eh keine Zukunft haben, wenn sie jetzt nicht andere zum Handeln bewegen", sagte Lea Kowalewski, eine Aktivistin aus Braunschweig. Elena Balthesen aus München geht ebenfalls regelmäßig freitags auf die Straße: "Gemessen an dem, was ich durch Fridays for Future schon für mein Leben gelernt habe, sind das ja nur ein paar Schulstunden, die ich freitags verpasse".

Die Grünen warfen Eisenmann Engstirnigkeit vor. Wenn man von jungen Leuten einfordere, sich eine Meinung zu bilden und mit Zivilcourage dafür einzustehen, könne man nicht bei einem solchen Thema kleinkariert mit Drohungen anfangen. "Das ist pädagogisch, und wenn man politische Bildung betrachtet, absolut kontraproduktiv", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Margit Stumpp.

Fridays-for-Future-Vertreterinnen aus Stuttgart kritisierten den Verweis auf die Schulpflicht: "Politiker sollten nicht so viel über Pflicht sprechen, wenn sie ihre eigene Pflicht nicht erfüllen", sagte Sofie Rehberg. Den meisten Schülerinnen und Schülern seien die Konsequenzen ihres Verhaltens aber bewusst.

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Quelle: n-tv.de, aeh/dpa

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