Politik

Marburger Bund schlägt Alarm Klinikärzte "ersticken" an Bürokratie

imago85916809h.jpg

Drei und mehr Stunden pro Schicht mit Verwaltungstätigkeiten befasst: Klinikärzte stöhnen unter der Bürokratie.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Klinikärzte haben immer weniger Zeit für ihre Patienten. Laut einer Umfrage wächst der Bürokratie-Frust seit Jahren. Mehr als drei Stunden eines Arbeitstags ist die große Mehrheit der Mediziner an den Schreibtisch gefesselt. Der Marburger Bund fordert, die Politik solle diese Vergeudung abstellen.

Auch an Bürokratie kann man ersticken: Ärzte in deutschen Krankenhäusern klagen über eine toxische Belastung durch Verwaltungsaufgaben. Laut einer Umfrage der Ärztegewerkschaft Marburger Bund sind 60 Prozent der Mediziner täglich drei Stunden und 35 Prozent sogar vier Stunden und mehr mit bürokratischen Tätigkeiten befasst. Über die Ärzte-Umfrage berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe vorab. Demnach habe der Zeitaufwand für administrative Tätigkeiten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Im Jahr 2013 hätten bei einer vergleichbaren Umfrage nur acht Prozent der Klinikärzte angegeben, mehr als drei Stunden pro Tag mit Verwaltungstätigkeiten befasst zu sein, resümierte der Marburger Bund.

"Wir ersticken buchstäblich in Bürokratie", sagte die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, laut den Funke-Zeitungen. "Es ist schlichtweg ein Skandal, wie viel Arbeitskraft und Arbeitszeit mit Datenerfassung und Dokumentation vergeudet wird." Johna forderte die Politik auf, die Krankenhäuser von bürokratischen Reglementierungen zu befreien. Notwendig sei eine Generalinventur, bei der unnötige Vorgaben gestrichen würden. Die Arbeitskraft von Ärzten müsse den Patienten zur Verfügung stehen und nicht am Schreibtisch vergeudet werden, beklagte Johna. Für die Umfrage des Marburger Bundes wurden im September und Oktober 2019 insgesamt rund 6500 angestellte Ärzte, die zu über 90 Prozent in Krankenhäusern tätig sind, befragt.

Auch die Pflegekräfte in Kliniken und Pflegeheimen leiden unter zu viel Verwaltungsaufwand: "Auf der Wunschliste vieler Pflegekräfte steht weniger Bürokratie ganz oben", sagte der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, den Zeitungen weiter. "Unglaublich aber wahr: Im Jahr 2020 verlangen Kassen von Heimen und Pflegediensten tatsächlich noch immer stapelweise Papierbelege", kritisierte Westerfellhaus. Pflegedienste müssten ihre Pflegekräfte viel zu häufig damit beschäftigen, Leistungsnachweise zusammenzustellen und ärztliche Verordnungen per Fax und Telefon mit der Krankenkasse abzustimmen. "Digitales Datenmanagement spart Zeit für die eigentliche Versorgung und wirkt sich positiv auf die Arbeitszufriedenheit aus - im Pflegeheim genauso wie im Krankenhaus."

Quelle: ntv.de, mau

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.