Politik
Kohl bei einem Wahlkampfauftritt 1990 in Erfurt. Er habe das Selbstwertgefühl der Ostdeutschen nicht schädigen wollen, erklärte er später.
Kohl bei einem Wahlkampfauftritt 1990 in Erfurt. Er habe das Selbstwertgefühl der Ostdeutschen nicht schädigen wollen, erklärte er später.(Foto: REUTERS)
Samstag, 26. Mai 2018

Internes Eingeständnis: Kohl log über "blühende Landschaften"

Das Versprechen, die neuen Bundesländer schnell in "blühende Landschaften" zu verwandeln, trug erheblich zu Kohls Wahlsieg 1990 bei. Intern gestand der Altkanzler später ein, dass es sich um eine bewusste Täuschung handelte - angeblich aus Rücksicht.

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl hat laut einem "Spiegel"-Bericht Jahre vor seinem Tod intern eingeräumt, die Öffentlichkeit über den Zustand der neuen Bundesländer im Osten getäuscht zu haben. Das zeige die Abschrift eines Gesprächs zwischen Kohl und Beratern vom Oktober 1999, in dem es um sein berühmtes Wahlkampfversprechen 1990 geht, aus den neuen Ländern würden "in drei, vier Jahren blühende Landschaften".

Die CDU gewann mit Kohl die Wahl 1990 deutlich. Die ostdeutschen Bundesländer erlebten jedoch eine schwere wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise.

Wie der "Spiegel" weiter berichtet, erklärte Kohl rückblickend, dieses Versprechen sei ein "Fehler" gewesen. Er habe "natürlich" gewusst, dass die DDR-Wirtschaft "marode" sei. "Wir haben die miese Lage bewusst nicht - das war nicht zufällig, wir haben darüber diskutiert - wir haben bewusst, wie wir glaubten, psychologisch richtigerweise, die Negativzahlen nicht hochgespielt", wird Kohl zitiert. Er habe das Selbstwertgefühl der Ostdeutschen nicht schädigen wollen, erklärte er seinen Vertrauten demnach.

Noch in seinen "Erinnerungen" von 2007 schrieb der Kanzler der Einheit dagegen, Opfer der SED-Propaganda geworden zu sein. Die DDR-Führung habe ihn und die Welt "über die wahre Wirtschaftskraft des DDR-Sozialismus hinweggetäuscht". Kohl starb am 16. Juni 2017.

Quelle: n-tv.de