Politik

Kopf-an-Kopf-Rennen mit ÖzdemirManuel Hagel will Deutschlands jüngster Ministerpräsident werden

06.03.2026, 16:56 Uhr
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Manuel Hagel gibt sich als bodenständiger Familienvater. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Baden-Württemberg steht vor der Wahl, und Manuel Hagel soll für die CDU das einstige Stammland zurückerobern. Doch es könnte knapp werden: Die Grünen holen kräftig auf, und dann patzt der 37-Jährige noch vor laufender Kamera.

Wer dem freundlich-verbindlichen Hagel im persönlichen Gespräch begegnet, kann ihn sich gut in seinem früheren Beruf vorstellen. Der am 1. Mai 1988 in Ehingen geborene Hagel lernte nach der Realschule Bankkaufmann und machte bei der Sparkasse in jungen Jahren Karriere. Seine den Menschen zugewandte Art dürfte ihm dabei geholfen haben.

Gerade einmal 37 Jahre ist Hagel alt - der Grüne Kretschmann scheidet mit 77 Jahren aus dem Amt. Hagel versucht im Wahlkampf, mit seinem Alter zu punkten und gleichzeitig für Bodenständigkeit zu stehen. Im Wahlwerbefilm zeigt er sich als Vater mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern, gleichzeitig verweist er auf "über 15 Jahre politische Verantwortung", die er übernommen habe. Sollte Hagel die Landtagswahl mit der CDU gewinnen, würde er der jüngste Ministerpräsident überhaupt in Deutschland. Die Rolle des Jüngsten kennt Hagel - er wurde schon jüngster Generalsekretär der Landes-CDU und deren jüngster Landesvorsitzender.

Als Hagel mit gerade 28 Jahren 2016 CDU-Generalsekretär wurde und eine Diskussion um seine Unerfahrenheit entbrannte, rief ihn der ehemalige baden-württembergische CDU-Ministerpräsident Erwin Teufel an. Der habe ihm gesagt: "Jeder, der ein Thema hat mit dem Alter, dem kannst du sagen, das wird mit jedem Tag ein kleines bisschen besser."

Image angeschlagen - schon wieder

Aus der Zeit als Generalsekretär holte Hagel gerade allerdings ein Spruch aus einem Fernsehinterview ein. Vor acht Jahren schwärmte er dabei von einer minderjährigen Schülerin, die er bei einem Termin an einer Realschule getroffen hatte. "Ich werd's nie vergessen, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen." Hagel räumte rasch ein, der Spruch sei "Mist" gewesen. Kurz vor dem Wahltag sprang ihm seine Ehefrau zur Seite - sie würde ihren Mann "sofort wieder heiraten", er sei ein Partner auf Augenhöhe, sagte Franziska Hagel der Illustrierten "Bunte".

Dennoch könnte der Spruch Hagel geschadet haben, seit dem Bekanntwerden holten die Grünen in den Umfragen stark auf und lagen bei der Forschungsgruppe Wahlen kurz vor der Wahl gleichauf mit der CDU bei 28 Prozent. Im ZDF bemühte sich Hagel am Freitag um Gelassenheit - entschieden werde am Sonntag - und dann ab Montag versucht, das Beste aus dem Ergebnis zu machen.

Seit Anfang der Woche verfolgt Hagel ein Problem mit ähnlich schlechtem Timing. Bei einem Schulbesuch war er vor laufender Kamera mit einer Lehrerin aneinander geraten. Die Lehrerin, deren Klasse er in einem Fernsehbeitrag der ARD besucht, zeigt sich sehr kritisch gegenüber dem Spitzenkandidaten und stellt immer wieder unangenehme Fragen. Hagel gerät ins Schwimmen - und wird daraufhin von der Lehrerin an der Tafel vorgeführt. Im Netz erntet er Häme für seinen Versuch, den Treibhauseffekt zu erklären. Der Clip wird tausendfach geteilt.

Bisher war Hagel selten in der Defensive - an dem Willen, im richtigen Moment zuzupacken, mangelt es ihm nicht. Seit 2016 sitzt er im Landtag und schaute sich eine Legislaturperiode an, wie die einst so stolze baden-württembergische CDU in einen ziemlich zerstrittenen Haufen zerfiel. Nach der Wahl 2021 ließ er sich mit 33 Jahren zum Fraktionschef wählen, zwei Jahre später war er dann Landesvorsitzender. Intern genießt Hagel in der CDU Anerkennung. Nach außen, nämlich bei den Wählern, kam das allerdings noch nicht so richtig an.

Schlechte Karten gegen Özdemir

Während sein stärkster Konkurrent Cem Özdemir von den Grünen von seiner Bekanntheit als langjähriger Bundespolitiker zu profitieren scheint, dürfte Hagel vor allem seine geringe Bekanntheit zu schaffen machen. Die Hälfte der Befragten im ARD-"Deutschlandtrend" sagte, Hagel entweder nicht zu kennen oder sich keine Meinung über ihn zuzutrauen - ein verheerender Wert kurz vor der Wahl. Özdemir kennen so gut wie alle, er wird als Wunschministerpräsident deutlich bevorzugt.

Obwohl Hagel im persönlichen Gespräch Witz und Pointenschärfe beweist, wirkt der CDU-Mann öffentlich eher blass und uncharismatisch. Lange schien das kein Problem - doch kurz vor der Wahl könnte sich die politische Stimmung gegen ihn drehen.

Quelle: ntv.de, fth/AFP/dpa

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