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"In zehn bis 20 Jahren besiegt" Kritik an Spahns Aussage zu Krebsheilung

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Nach der Aussage von Jens Spahn könnte Krebs in zehn bis 20 Jahren besiegt sein.

(Foto: AP)

Laut Jens Spahn gehören Krebsleiden in absehbarer Zeit der Vergangenheit an. Fachverbände und Experten reagieren empört auf die Aussage des Gesundheitsministers und widersprechen. Vom Wecken falscher Hoffnungen ist die Rede.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat mit seiner Äußerung, Krebsleiden könnten in absehbarer Zeit besiegbar sein, für Irritationen gesorgt. Experten und Fachverbände äußern hingegen starke Zweifel. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte in der "Augsburger Allgemeinen" vor falschen Hoffnungen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, der allergrößte Teil der Neuerkrankungen sei nicht zu vermeiden.

Spahn sagte der "Rheinischen Post": "Es gibt gute Chancen, dass wir in 10 bis 20 Jahren den Krebs besiegt haben." Der medizinische Fortschritt sei immens, die Forschung vielversprechend. "Es gibt Fortschritte bei der Krebserkennung, bei der Prävention. Immerhin ein Fünftel der Krebserkrankungen ließe sich aufs Rauchen zurückführen, fügte Spahn hinzu. Eine weitere Ursache seien schlechte Ess- und Lebensgewohnheiten, die sich durch Aufklärung stärker in den Griff bekommen ließe.

"Nicht das Vertrauen der Patienten verspielen"

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz äußerte sich empört über die Aussage des Ministers. "Es ist unverantwortlich, angesichts dieser Entwicklung und dem Leiden so vieler Menschen zu behaupten, es gebe gute Chancen, den Krebs in 10 bis 20 Jahren besiegt zu haben", erklärte Vorstand Eugen Brysch. "Ein Gesundheitsminister sollte nicht für eine Schlagzeile das Vertrauen der Patienten verspielen."

Der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), Johannes Bruns, reagierte zurückhaltend auf Spahns Aussagen. Es werde sich sicher viel tun in den nächsten 10 bis 20 Jahren, gänzlich besiegt werde Krebs aber wohl nicht sein. "Das ist eine sehr heroische Aussage, da muss man vorsichtig sein." Bei zwei Säulen der Krebsbehandlung - Chirurgie und Bestrahlung - tue sich derzeit nicht so viel, anders sehe das im Bereich der Chemotherapien aus. Arzneimittelhersteller und Start Ups investierten derzeit viel Geld in mögliche Mittel.

Krebs zweithäufigste Todesursache in Deutschland

Auch der Chef der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven, äußerte sich kritisch. "Die Frage, ob Krebs in 10 bis 20 Jahren besiegbar sein wird, kann heute nicht beantwortet werden", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs und Hirntumoren sind beispielsweise die Heilungschancen bisher nur sehr gering. Wir wissen noch zu wenig über die Entstehungsmechanismen dieser Tumorarten."

Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. 90 Prozent der jährlich rund 230 000 Krebstodesfälle gehen inzwischen nicht auf den Primärtumor, sondern auf Metastasen zurück. Ansätze dagegen zu finden, sei die große Herausforderung für die Wissenschaft derzeit, hatte Andreas Fischer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) kürzlich erklärt.

Die Bundesregierung hatte am Dienstag angekündigt, Krebs mit mehr Forschung und Vorbeugung eindämmen und die Umstände für Betroffene erleichtern zu wollen. Zum Start einer Initiative "Nationale Dekade gegen den Krebs" kündigte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek die Förderung von Studien zu Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen an. Bis zu 62 Millionen Euro könnten hierfür fließen. "Zehn Jahre lang mobilisieren wir alle Kräfte", sagte Karliczek im Bundestag. "Wir wollen Krebs besser verstehen, wir wollen Krebs verhindern, wir wollen Krebs heilen." 

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa/AFP

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