Politik

Dschihadist aus Sachsen Kurden fassen deutsches IS-Mitglied in Syrien

AP_17204530418658.jpg

Kurdische SDF-Kämpfer in Syrien während einer Gefechtspause.

(Foto: AP)

Kurdischen Kämpfern ist in Syrien ein weiterer Dschihadist aus Deutschland in die Hände gefallen. Der Mann aus Sachsen bekleidete innerhalb der IS-Miliz eine hohe Position. Auch an Hinrichtungen soll er mitgewirkt haben.

Im Osten Syriens ist offenbar ein deutscher Dschihadist von kurdischen Kämpfern festgenommen worden. Es handele sich um Martin L., der sich mit Kampfnamen Abu Zakaria al-Almani nenne, sagte Mustapha Bali, ein Sprecher der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Er habe sich in der ostsyrischen Provinz Dair as-Saur ergeben. Seine beiden deutschen Frauen sagten der Nachrichtenagentur AFP, der 28-Jährige sei von der SDF gefangen genommen worden, als sie aus der letzten Bastion der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) geflohen seien. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, das Ministerium habe keine eigenen Erkenntnisse über seine Aktivitäten oder seine Festnahme.

Die "Zeit" hatte im Dezember 2017 berichtet, Martin L. habe sich nach der Konversion zum Islam 2012 rasch radikalisiert. Im November 2014 sei er dann über Istanbul nach Syrien gereist, wo er sich der IS-Miliz angeschlossen und eine deutsche Frau geheiratet habe. Der aus Sachsen stammende gelernte Schweißer gehörte demnach in der syrischen IS-Hochburg Rakka zur Religionspolizei Hisbah, welche die strengen Regeln der Dschihadisten durchsetzte.

Kurden möchten Gefangene in ihre Heimatländer abschieben

Wie die "Zeit" unter Berufung auf frühere IS-Mitglieder und Sicherheitsbehörden weiter berichtete, wird Martin L. zudem verdächtigt, für den IS-Geheimdienst Amnijat tätig gewesen zu sein. Demnach soll L. regelmäßig Kontakt zum ehemaligen IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani gehabt haben. In Rakka soll er zudem in einem Stadion an Hinrichtungen beteiligt gewesen sein und sogar selbst Gefangene enthauptet haben. Seine Frauen sagten indes L. habe hauptsächlich als Techniker für die IS-Miliz gearbeitet und nicht gekämpft.

Hunderte ausländische Dschihadisten wurden in den vergangenen Jahren von den SDF-Einheiten gefangen genommen worden. Die kurdisch-arabischen Kämpfer sind maßgeblich am Kampf gegen den IS im Osten Syriens beteiligt und wollen den Gefangenen nicht selbst den Prozess machen, sondern an ihre Herkunftsländer übergeben. Die meisten Länder, darunter auch Deutschland, haben bisher aber keine Anstalten gemacht, die Dschihadisten zurückzuholen. Dem Bundesinnenministerium in Berlin liegen derzeit Erkenntnisse zu 1050 mutmaßlichen Islamisten vor, die sich bis 2018 in Richtung Syrien und Irak auf den Weg gemacht haben.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa/AFP

Mehr zum Thema