Politik

Reaktion auf Corona-Epidemie Länder ordnen Absage von Großveranstaltungen an

384a1e5ff3bda78c52623e57e41201aa.jpg

Veranstaltungen in der Kölner Lanxess-Arena können erst einmal nicht mehr stattfinden.

(Foto: imago images/wolf-sportfoto)

Das sich ausbreitende Coronavirus hat immer weitreichendere Folgen für das öffentliche Leben in Deutschland. Nun ringen sich immer mehr Landesregierungen dazu durch, eine Absage von Großveranstaltungen anzuordnen. Ein Bundesland will lieber noch abwarten.

Wegen des Coronavirus sollen Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen in immer mehr Bundesländern grundsätzlich abgesagt werden - oder ohne Zuschauer stattfinden. Einen entsprechenden Erlass mit Weisungen an die Kommunen beschloss unter anderen die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Demnach sollen große Messen, Kongresse, Konzerte oder Sportveranstaltungen zunächst abgesagt werden.

Nach aktueller Erkenntnislage gebe es keine Schutzmaßnahmen, die einen geringeren Eingriff bei gleicher Wirksamkeit böten, erläuterte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Es müsse genau überlegt werden, was verzichtbar sei. Schulunterricht oder der öffentliche Personennahverkehr seien unverzichtbar, um das gesellschaftliche Leben nicht lahmzulegen.

Zuständig für die Durchführung des Erlasses seien die Behörden vor Ort, erklärte die Landesregierung. Die Verantwortlichen in den Kommunen könnten Veranstaltungen absagen, eine Absage gegenüber dem Veranstalter anordnen, das geplante Ereignis verlegen oder ohne Zuschauer durchführen lassen. In der Kölner Lanxess-Arena, einer der größten Mehrzweckhallen Deutschlands, finden bis auf Weiteres keine Veranstaltungen mehr statt. Der Betrieb pausiere, teilte die Arena mit. Man sei aber zuversichtlich, "die Großzahl der betroffenen Veranstaltungen" nachholen zu können. "Für uns ist der wirtschaftliche Schaden natürlich immens", machte Geschäftsführer Stefan Löcher deutlich. Für den Betrieb der privatwirtschaftlich betriebenen Halle würden enorm hohe Fixkosten anfallen, und nun stehe man erst einmal ohne Einnahme da. In der Arena haben bis zu 20.000 Menschen Platz.

Zur Eindämmung der Corona-Infektionen können die örtlichen Behörden auch Veranstaltungen mit weniger als 1000 Personen absagen, wenn es besondere Risiken gibt. Auch darauf weist der Erlass ausdrücklich hin. Eine solche individuelle Einschätzung zu Schutzmaßnahmen nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts seien aber auch bisher schon möglich. Risiken könnten etwa die Zusammensetzung der Teilnehmer, die Intensität der Kontakte oder bauliche Gegebenheiten sein.

"Das betrifft auch die ganzen Sportveranstaltungen"

Auch andere Bundesländer haben sich inzwischen zu einer Absage von größeren Events durchgerungen. Bayern verbietet Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern. Das sehen Allgemeinverfügungen vor, für die das bayerische Kabinett in München nach Angaben von Ministerpräsident Markus Söder die gesetzlichen Grundlagen gelegt hat. "Das betrifft auch die ganzen Sportveranstaltungen", sagte der CSU-Politiker. Bei Veranstaltungen zwischen 500 und 1000 Besuchern solle eine Risikoprüfung anhand einheitlicher Kriterien erfolgen, Söder riet jedoch auch hier zu "größter Zurückhaltung". Das gelte auch für Starkbierfeste, die nicht jetzt gefeiert werden müssten.

Auch die Stadt Bremen und das Land Schleswig-Holstein untersagen alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen. In Bremen müssen Veranstaltungen mit mehr als 250 Personen beim Ordnungsamt angezeigt werden und bestimmte Auflagen erfüllen. Das teilten Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard und Innensenator Ulrich Mäurer mit. Die entsprechende Verfügung des Ordnungsamtes solle ab Donnerstag (12.03.) bis zum 26.03. gelten. Damit könne auch das Spiel Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen am kommenden Montag nur vor leeren Rängen stattfinden - "oder gar nicht", sagte Mäurer. In Schleswig-Holstein gilt das Verbot bis zum 10. April.

In Thüringen wurde unterdessen eine entsprechende Weisung an alle Kommunen gegeben, Events ab 1000 Teilnehmern abzusagen. "Unser Ziel ist, durch diese strikten Auflagen das Risiko zu mindern", sagte Gesundheitsministerin Heike Werner in Erfurt. Zudem sollten Veranstaltungen mit 500 bis 1000 Teilnehmern nach Prüfung nur im Ausnahmefall und Verhältnismäßigkeit erlaubt werden. Die generelle Schließung von Schulen und Kitas halte Werner in der aktuellen Lage für nicht notwendig.

Aus Rheinland-Pfalz hieß es am Nachmittag, bis Ende April sollen keine Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 1000 Teilnehmern stattfinden. Die Landesregierung in Hessen zog gleich. Die Gefahr einer Virusübertragung bei großen Menschenansammlungen, "insbesondere in geschlossenen Räumen", lasse sich angesichts jüngster Entwicklungen nicht sicher beurteilen, teilte das Sozialministerium in Wiesbaden mit. Die Region Hannover will zunächst bis zum 22. März Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagen. Eine Allgemeinverfügung solle am Mittwoch veröffentlicht werden und ab Donnerstag gelten, sagte Regionspräsident Hauke Jagau.

Berlin will noch abwarten

Die Verantwortlichen in der Bundeshauptstadt Berlin sprachen sich dagegen vorerst gegen ein generelles Verbot von Großveranstaltungen aus. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller forderte allerdings bundeseinheitliche Regeln. "Wir können da keinen Flickenteppich haben", sagte der SPD-Politiker. "Bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag muss es möglichst zu einer bundesweiten Verabredung kommen, wie wir damit umgehen."

Nötig sind laut Müller einheitliche Kriterien, anhand derer sachgerecht und im Einzelfall entschieden werden könne, ob eine Messe, ein Kongress oder eine Sportveranstaltung abgesagt werden muss oder - gegebenenfalls unter Auflagen - stattfinden kann. Das Bundesligaspiel zwischen Union Berlin und dem FC Bayern München am Samstagabend wird - Stand jetzt - mit Publikum ausgetragen. Das teilte der Berliner Fußball-Klub nach Rücksprache mit den örtlichen Behörden mit.

Am frühen Abend wurde dann allerdings bekannt, dass Berlin alle geplanten Veranstaltungen in den großen Sälen der staatlichen Theater, Opern- und Konzerthäuser absagt. Kultursenator Klaus Lederer teilte mit, dieser Beschluss gelte vorerst bis zum Ende der Osterferien, also bis zum 19. April. Er empfehle auch den großen Privattheatern so zu verfahren. Für Veranstaltungen in kleineren Häusern und Sälen bis zu 500 Zuhörern liege die Risikobewertung zunächst bei den jeweiligen Einrichtungen, die sich an den Vorgaben des Robert Koch-Instituts orientieren sollten. Wer akut erkrankt ist oder zu einer Risikogruppe gehöre, sollte auf den Besuch von Veranstaltungen ohnehin ganz verzichten.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/DJ

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.