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Deutschland führte "Rassekrieg" Lammert: Deutscher "Völkermord" an Herero

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Lange lagerten Gebeine von getöteten Herero in deutschen anatomischen Sammlungen. Erst vor wenigen Jahren wurden einige zurückgegeben.

(Foto: dapd)

Die deutschen Kolonialtruppen vernichten 1904 das Volk der Hereo fast vollständig. Deutschland weigert sich heute, dieses Verbrechen Völkermord zu nennen. Nun bricht einer der höchsten Repräsentanten des Landes das Tabu.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die deutschen Kolonialverbrechen im heutigen Namibia als "Völkermord" bezeichnet. Wer vom Genozid an den Armeniern 1915 im Osmanischen Reich spreche, der müsse auch die Verbrechen gegen die Bevölkerung in Deutsch-Südwestafrika so bezeichnen, schreibt Lammert in einem Beitrag für die neue Ausgabe der "Zeit". "An den heutigen Maßstäben des Völkerrechts gemessen war die Niederschlagung des Herero-Aufstandes ein Völkermord."

Das heutige Namibia war von 1884 bis 1915 unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika deutsche Kolonie. Als das Volk der Herero 1904 einen Aufstand begann, und Kämpfer mehr als hundert Deutsche töteten, ordnete General Lothar von Trotha die Vernichtung des ganzen Volkes an. Die Herero-Bevölkerung vor dem Massaker wurde auf 50.000 bis 80.000 geschätzt, es überlebten nur rund 15.000 Menschen.

Die Bundesregierung entschuldigte sich zwar bereits vor Jahren für die Taten, vermeidet aber bislang peinlich die Bezeichnung "Völkermord". Die Forderungen nach einer Anerkennung des vollen Ausmaßes der Verbrechen und nach entsprechenden Entschädigungen waren unter anderem im Zusammenhang um die Anerkennung des Genozids an den Armeniern 1915 im damaligen Osmanischen Reich lauter geworden. Der Bundestag verabschiedete in diesem Jahr eine Resolution, die ausdrücklich vom Völkermord der Osmanen sprach.

Morden durch Verdursten- und Verhungernlassen

Auch Bundespräsident Joachim Gauck übernahm die Bewertung der Verbrechen an den Armeniern als Völkermord. Für die Vergehen gegen die Armenier benutzte bisher kein hochrangiger Vertreter Deutschlands diese Bezeichnung.

Der Linken-Politiker Niema Movassat forderte nun, die Bundesregierung und Gauck müssten "diesen Völkermord endlich anerkennen und in aller Form Namibia und die Nachfahren der Opfer um Entschuldigung bitten". Deutschland stehe in der "moralischen und politischen Verantwortung und Verpflichtung" gegenüber Namibia.

Lammert bezeichnete in seinem Artikel den Krieg der Deutschen gegen die Herero als einen "Rassekrieg". "Nicht nur den Kampfhandlungen, sondern auch Krankheiten und dem gezielten Morden durch Verdursten- und Verhungernlassen fielen Zehntausende Herero und Nama zum Opfer, andere starben in Konzentrationslagern oder bei der Zwangsarbeit", schrieb der CDU-Politiker in der "Zeit".

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP

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