Politik

Nach Unglück im Hambacher Forst Landesregierung setzt Räumung vorerst aus

Seit mehreren Tagen räumt die Polizei den von Aktivisten besetzten Hambacher Forst. Dann kommt ein Journalist bei einem tragischen Unfall ums Leben. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen reagiert.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat die Räumungsarbeiten im Braunkohlerevier Hambacher Forst nach dem Tod eines Journalisten "bis auf weiteres" ausgesetzt. "Wir können jetzt nicht einfach so weitermachen", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul in Düsseldorf.

Am Rande des Polizeieinsatzes gegen Waldbesetzer im Hambacher Forst war es zu dem tödlichen Unfall gekommen: Der Mann stürzte nach Polizeiangaben von einer Hängebrücke im Bereich eines Baumhauses ab und verstarb. Die Polizeimaßnahmen in dem Waldgebiet, in dem seit Tagen Baumhäuser der Klimaschützer geräumt werden, wurden zunächst eingestellt. RWE zeigte sich "zutiefst erschüttert" über den Unfall.

Der Mann wurde nach dem Sturz zunächst am Unfallort von einem Notarzt versorgt und anschließend in einem Rettungshubschrauber zur weiteren medizinischen Versorgung ausgeflogen. Er erlag jedoch wenig später seinen schweren Verletzungen. Polizeisprecher Paul Kemen sprach von einem "tragischen Unglücksfall". Bei dem Toten handele sich um einen jungen Journalisten, der seit längerem das Leben der Aktivisten in den Baumhäusern dokumentiert habe, sagte er.

Polizei muss Geschehen aufklären

"Ich möchte - ich muss - betonen, dass dieser Unglücksfall in keinem Zusammenhang steht mit polizeilichen Arbeiten hinsichtlich der Räumung der Baumhäuser." Es habe zum Unglückszeitpunkt keine Polizeimaßnahmen in der Nähe der Unglücksstelle und am Baumhaus gegeben. Der Journalist habe gerade seine volle Speicherkarte eintauschen wollen, als er abstürzte.

Die NRW-Grünen forderten, dass alle polizeilichen Maßnahmen auf die Aufklärung des Vorfalls konzentriert werden. Reul erklärte, die Ermittler bräuchten jetzt Zeit und Ruhe, um das Geschehene aufzuklären. Dabei sei auch die Mönchengladbacher Polizei involviert, die mit dem Hambacher Forst sonst nicht eingebunden sei.

Das Aktionsbündnis "Hambi bleibt" verlangte einen sofortigen Stopp der Räumung. "Wir fordern die Polizei und RWE auf, den Wald sofort zu verlassen und diesen gefährlichen Einsatz zu stoppen. Es dürfen keine weiteren Menschenleben gefährdet werden", schrieb die Initiative in ihrem Blog. Zu dem tödlichen Sturz ist es nach Darstellung der Aktivisten vermutlich gekommen, weil der Journalist einen SEK-Einsatz in der Nähe habe beobachten wollen.

Über die zwischen zwei Baumhäusern gespannte Brücke habe er anscheinend näher an den Einsatz herangehen wollen, schrieb die Initiative in ihrem Blog. Dabei sei er abgestürzt. Der Tote sei "ein Freund, der uns seit längerer Zeit im Wald journalistisch begleitet", betonte das Aktionsbündnis.

"Wir sind zutiefst erschüttert"

Auch der energiepolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin, forderte nach dem Tod des Journalisten: "Der Polizeieinsatz im Hambacher Forst muss sofort beendet werden, um weitere Unglücksfälle zu verhindern." RWE teilte nach dem Unfall mit: "Wir sind zutiefst erschüttert und bedauern den tragischen Unfall im Hambacher Forst sehr. Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen des Verstorbenen." Ein Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft konnte am Abend nicht sagen, ob Ermittlungen eingeleitet würden.

Auf Twitter löste der Unfall zahlreiche heftige Reaktionen aus. Viele Gegner des Braunkohleabbaus forderten RWE und die Polizei auf, die Räumungsarbeiten jetzt dauerhaft einzustellen. Andere Nutzer fragten, was der Journalist bei den Aktivisten in den Bäumen zu suchen gehabt habe. Ein anderer Twitterer kritisierte: "Ekelhaft, wie der tragische Unfall im #HambacherForst jetzt von beiden Seiten instrumentalisiert wird!"

Aus Sicht von RWE ist die Abholzung des Hambacher Forsts unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Gegner der Rodung argumentieren, der Wald habe eine 12.000 Jahre lange Geschichte. Es gebe dort Vorkommen streng geschützter Arten wie Bechsteinfledermaus, Springfrosch und Haselmaus.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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