Politik

Über die Türkei nach Israel Letzter Jude Afghanistans verlässt sein Land

2013-11-12T120000Z_1071801493_GM1E9BC104I01_RTRMADP_3_AFGHANISTAN-JEWS.JPG

Sabolon Simantow bei einem Gebet in seinem Zuhause in Kabul im Jahr 2013.

(Foto: REUTERS)

Sabolon Simantow wird 1959 in eine noch existierende jüdische Gemeinschaft in Afghanistan geboren. Jahrzehnte später gilt er als letzter verbliebener Jude im ganzen Land. Seine eigene Familie war in den 90er Jahren, als die Taliban schon einmal herrschten, nach Israel ausgewandert. Nun folgt er ihnen.

Der letzte verbliebene Jude in Afghanistan hat Medienberichten zufolge sein Land verlassen und ist nun in der Türkei. Er sei am Sonntag in Istanbul angekommen und habe zunächst ein Visum für 90 Tage erhalten, berichteten türkische Medien. Nach Angaben der "Jerusalem Post" wird er in den nächsten Tagen in Israel erwartet.

Sabolon Simantow hat es als letzter Vertreter der jüdischen Gemeinschaft zu Bekanntheit in Afghanistan gebracht. Er lebte alleine in der einzigen Synagoge Kabuls und wachte über sie. Trotz unruhiger Zeiten wollte er seinen Posten nie aufgeben. "Ich werde diesen Ort nie verlassen", hatte er im Jahr 2008 bei einem Interview in Kabul gesagt. Was ihn nun bewegte, aus Afghanistan auszureisen, ist bisher nicht bekannt. Mitte August hatten die militant-islamistischen Taliban die Macht in Afghanistan übernommen.

Simantows Frau, von der er laut israelischen Medien inzwischen geschieden ist, wanderte mit den beiden Töchtern schon in den 90er Jahren nach Israel aus. Sie hatten Angst vor der unsicheren Lage im Land, sagte Simantow im Interview damals. Das Regime der Taliban, die von 1996 bis 2001 schon einmal in Afghanistan herrschten, sei das Schlimmste gewesen.

Der österreichische Journalist Emran Feroz hatte schon im September über die Abkehr Simantows aus seiner Heimat berichtet. Außerdem schrieb er vor wenigen Jahren ein Stück über das mysteriöse Verschwinden der Torah aus der Synagoge in Kabul, über die Simantow wachte. Dieses ereignete sich in den 90er Jahren während der ersten Taliban-Herrschaft.

Simantow wurde 1959 in Herat geboren worden. In der westafghanischen Stadt lebten damals noch verhältnismäßig viele Juden. Im Laufe der Jahre nahm ihre Zahl allerdings ab, immer mehr von ihnen wanderten nach Israel oder in die USA aus. In Afghanistan sind wie auch in der Türkei 99 Prozent der Bevölkerung Muslime.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.