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Forscher sehen "Mobbing"-Gefahr Linke: Risiken von Völkerball ernst nehmen

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Völkerball ist in Deutschland weit verbreitet - zu unrecht?

(Foto: imago/Marc Schüler)

Aus dem Schulsport ist "Völkerball" hierzulande kaum wegzudenken - Forscher aus Kanada sehen in dem Spiel jedoch eine mögliche Gefahr. Aus der Linkspartei kommt nun die Mahnung, diese Warnungen ernst zu nehmen. Man müsse zudem über "mögliche Konsequenzen" reden.

An deutschen Schulen ist das Spiel "Völkerball" im Sportunterricht weit verbreitet - kanadische Forscher jedoch übten zuletzt heftige Kritik an dem Spiel. Von "erlaubtem Mobbing" sprachen die Wissenschaftler nach einer Befragung von Schülern. Denn stärkere Schüler würden meistens eine Gruppe bilden, um die verbliebenen schwachen Schüler abzuschießen, so die Kritik. Der sportpolitische Sprecher der Linksfraktion, André Hahn, ruft dazu auf, die Erkenntnisse kanadischer Forscher ernst zu nehmen.

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Wie finden Sie Völkerball?

Wenn die Forschung zu neuen Erkenntnissen gekommen sei, sollte man diese "nicht leichtfertig vom Tisch wischen, sondern mit den Expertinnen und Experten im Bildungswesen sowie den Sportverbänden über mögliche Konsequenzen reden", sagte Hahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Von einem Verbot des Spiels halte er aber nichts, so Hahn weiter.

Beim Völkerball werden zwei Mannschaften gebildet, die sich beispielsweise auf einem Volleyballfeld ohne Netz gegenüberstehen. Ziel ist, die Spieler der anderen Mannschaft mit einem Ball abzuwerfen. Wer getroffen ist, muss das Feld verlassen, kann aber wieder ins Spiel kommen, wenn er von außen einen anderen Spieler trifft.

Eine Forschergruppe um Joy Butler von der kanadischen "University of British Columbia" hatte bereits Anfang Juni Medienberichten zufolge auf einer Konferenz harsche Kritik an einer Variante von Völkerball - Dodgeball - geübt und eine Studie dazu angekündigt. "Die Botschaft ist, es ist in Ordnung, den 'anderen' wehzutun oder sie zu entmenschlichen", sagte Butler der "Washington Post".

Sportpädagoge hält Spiel für vertretbar

Ein führender Sportpädagoge in Deutschland, Ralf Sygusch, hält das Spiel hingegen unter bestimmten Voraussetzungen für vertretbar. Der Lehrer müsse mit den Schülern über die sozialen Aspekte des Spiels sprechen, sagte der Sprecher der Sektion Sportpädagogik bei der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft. "Wenn das gewährleistet wird, hätte ich überhaupt kein Problem, das zu spielen." Zwar sei Völkerball sehr emotional und biete daher das Potenzial zum Mobbing. "Aber das bewusst zu machen, zu sozialer Verantwortung zu erziehen, das ist hier eigentlich die Aufgabe der Lehrkraft", so Sygusch.

Sygusch, der an der Universität Erlangen-Nürnberg lehrt, gibt jedoch zu bedenken: Wenn man jemanden mobben wolle, könne man das zwar vermutlich mit Völkerball besser tun als beim Geräteturnen - aber selbst beim Geräteturnen bestehe die Gefahr, dass peinliche Situationen entstünden, in denen sich Schüler übereinander lustig machten oder demütigten. Sein Appell: "Im Sportunterricht wird viel zu viel Sport getrieben, anstatt Sport zum Thema zu machen und darüber nachzudenken, was im Sport passiert."

Um zu verhindern, dass beim Völkerball die starken die schwachen Schüler demütigen, rät Sygusch: "Die Lehrkraft könnte zum Beispiel zwei Schüler bestimmen, die besonders gut in dem Spiel sind, mit der Aufgabe, zwei gleich starke Mannschaften zu bilden - damit wird Sportunterricht sozial kooperativ und die Schüler müssen sich untereinander verständigen."

Quelle: kst/dpa

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