Politik

Russen kontrollieren Knotenpunkt London: Einnahme von Lyman dürfte Vormarsch erleichtern

Nach den prorussischen Separatisten vermeldet nun auch das russische Militär die Einnahme des Verkehrsknotenpunkts Lyman in der Ostukraine. Das dürfte die Verteidigung des Donbass für die ukrainische Armee zusätzlich erschweren. Präsident Selenskyi spricht von einer "sehr, sehr schwierigen Lage".

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben die vollständige Kontrolle über die strategisch wichtige Kleinstadt Lyman im ostukrainischen Donbass-Gebiet erlangt. "Durch das gemeinsame Vorgehen von Einheiten der Donezker Volksrepublik und der russischen Streitkräfte wurde die Stadt Krasny Liman vollständig von ukrainischen Nationalisten befreit", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Krasny Liman ist die noch aus sowjetischer Zeit stammende Bezeichnung für Lyman.

Die mit Moskau verbündeten Separatisten hatten die Eroberung schon am Freitag vermeldet. Auch der ukrainische Generalstab hatte indirekt den Fall der Kleinstadt eingestanden. Lyman ist als Eisenbahnknoten und Straßenverbindung zu den Ballungsräumen Sjewjerodonezk - Lyssytschansk im Osten und Slowjansk - Kramatorsk im Südwesten strategisch wichtig.

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste dürften sich die russischen Streitkräfte in den kommenden Tagen darauf konzentrieren, ihre Macht in Lyman zu festigen. Mit einem großen Bahnknotenpunkt und Zugang zu wichtigen Straßen- und Eisenbahnbrücken über den Fluss Siwerskyj Donez habe Lyman eine große strategische Bedeutung, auch für Russlands weiteren Vormarsch im Donbass. Sollte es Moskau gelingen, die Stadt sowie die Region um die Großstadt Sjewjerodonezk unter seine Kontrolle zu bringen, werde der Kreml dies seinen Bürgern als wichtigen politischen Erfolg verkaufen, schreiben die Briten.

Kämpfe um Sjewjerodonezk

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Lage im umkämpften Donbass derweil als "sehr, sehr schwierig" bezeichnet. Die russische Armee setze in dem Gebiet im Osten der Ukraine ein Maximum an Artillerie und Reserven ein, sagte Selensky. Die ukrainische Armee verteidige das Land mit allen "derzeitigen Verteidigungsressourcen", sagte Selenskyj weiter. "Wir tun alles, um diese zu verstärken."

Russland hat seine Truppen aus dem Zentrum und Norden der Ukraine, wo es die Städte Kiew und Charkiw nicht einnehmen konnte, in den Osten verlagert. Seitdem dringen russische Soldaten langsam, aber stetig tiefer in den Donbass vor. Auch strategisch wichtige Städte wie Sjewjerodonezk und Lyssytschansk werden von der russischen Armee belagert. Die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti zitierte einen prorussischen Polizeivertreter, wonach Sjewjerodonezk "nun umzingelt" sei. Ukrainische Soldaten könnten die Stadt nicht mehr verlassen. Dies wies Oleksandr Stryuk, ein ranghoher Vertreter der Stadt, zurück. Er räumte aber rein, die Lage sei "sehr schwer".

Nach Einschätzung des von Kiew ernannten Gouverneurs von Luhansk, Serhij Gajdaj, werden die russischen Truppen nicht in der Lage sein, die gesamte Region innerhalb kurzer Zeit einzunehmen. Möglicherweise aber müssten sich die ukrainischen Verteidiger aus einigen Gebieten zurückziehen, um nicht eingekesselt zu werden. Um dies zu verhindern, "könnte es sogar einen Befehl an unsere Truppen zum Rückzug geben", erklärte Gajdaj auf Telegram.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP/dpa

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