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Lkw simulieren Grenz-Stau London übt für harten Brexit

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Die Lkw fuhren vom stillgelegten Flughafen von Manston zum Hafen von Dover.

(Foto: REUTERS)

Allein den Hafen von Dover passieren jeden Tag 10.000 Lkws. Müssten sie im Falle eines harten Brexit Grenzkontrollen durchlaufen, würden wohl kilometerlange Staus entstehen. Das prüft Großbritannien nun mit einer Lkw-Kolonne.

Die britische Regierung sorgt weiter für den Fall eines harten Brexit vor. Um zu prüfen, wie sich trotz der in diesem Fall wieder nötigen Grenzkontrollen Staus vermeiden lassen, ließ sie am Montag 89 Lastwagen auf dem stillgelegten Flughafen von Manston, knapp 32 Kilometer vom Hafen von Dover entfernt, auffahren. Das Gelände könnte genutzt werden, um im Falle eines ungeordneten EU-Austritts Großbritanniens Staus nahe Dover zu verhindern, teilte das Verkehrsministerium in London mit.

Der Konvoi fuhr probeweise bis zum Hafen von Dover. Er nutzte dabei eine zweispurige Straße, die seltener von Lastern benutzt wird als die Autobahn nach London. Die Lastwagen machten anschließend kehrt und fuhren zum stillgelegten Flughafengelände zurück, um dort eine zweite Übung dieser Art zu beginnen.

Ziel der Testfahrt sei es sicherzustellen, dass es "einen wirksamen Plan für den Fall von Störungen nach dem EU-Austritt" gebe, teilte das Verkehrsministerium mit. Dabei auf einen stillgelegten Flughafen zurückzugreifen, sei "eine der Maßnahmen", um eine "Überlastung (der Straßen) abzumildern".

Kilometerlange Staus befürchtet

Eine Ministeriumssprecherin hob hervor, dass die Regierung "hart" an einem geordneten Brexit arbeite. Es liege aber auch in ihrer Verantwortung, "sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten" - dazu gehöre ein harter EU-Austritt ohne Abkommen.

Den Hafen von Dover passieren täglich rund 10.000 Lastwagen. Sie benötigen nach Angaben der Hafenbetreiber nur zwei Minuten, um bei ihrer Ankunft die nötigen Formalitäten zu erledigen. Allein zwei zusätzliche Minuten würden für Staus mit einer Länge von mehr als 27 Kilometern sorgen, hieß es auf der Internetseite des Hafens.

200 Parlamentarier appellieren an May

Derweil appellierten mehr als 200 britische Parlamentarier in einem parteiübergreifenden Brief eindringlich an May, einen Brexit ohne Abkommen zu verhindern. Ein "No Deal" würde zu Arbeitsplatzverlusten führen, sagte die Tory-Abgeordnete Caroline Spelman. Die Politikerin initiierte den Brief mit einem Vertreter der oppositionellen Labour-Partei.

Dem Unterhaus gehören 650 Abgeordnete an. Sie sollen nächste Woche über das Brexit-Abkommen abstimmen. Eine Mehrheit für den zwischen Premierministerin May und Brüssel ausgehandelten Deal ist nicht in Sicht. Weder in ihrer eigenen Konservativen Partei noch bei der nordirischen DUP, auf deren Stimmen Mays Minderheitsregierung angewiesen ist, gibt es Bewegung. Labour-Chef Jeremy Corbyn setzt auf eine Neuwahl.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP/dpa

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