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Befreiter Politiker in Venezuela López flieht in Spaniens Botschaft

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"Nieder mit der Tyrannei". Diese Soldaten haben sich den Gegnern von Präsident Maduro angeschlossen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der selbsternannte Interimspräsident von Venezuela, Guaidó, muss einräumen, dass er bei seiner "Operation Freiheit" zum Sturz von Maduro nur einen kleinen Teil des Militärs auf seiner Seite hat. Der Aufstand soll aber weitergehen. Der befreite Oppositionspolitiker López sucht indes ausländischen Schutz.

Im Machtkampf in Venezuela hat der am Dienstag befreite Oppositionsführer Leopoldo López nun Schutz in der spanischen Botschaft in Caracas gesucht. López, seine Frau Lilian Tintori und seine Tochter seien Gäste des spanischen Botschafters Jesús Silva Fernández, berichtete die spanische Zeitung "El País" am Mittwoch unter Berufung auf die Regierung in Madrid. Der chilenische Außenminister Roberto Ampuero bestätigte den Wechsel des Zufluchtsorts.

López hatte sich am Dienstag zunächst in der chilenischen Botschaft aufgehalten, bevor er nun in der spanischen Vertretung Zuflucht suchte. Ampuero twitterte, beim Wechsel in die spanische Vertretung habe es sich um eine persönliche Entscheidung des Politikers gehandelt, da sich in der chilenischen Vertretung bereits Gäste befänden.

Am frühen Dienstagmorgen hatten zur Opposition übergelaufene Soldaten López aus dem langjährigen Hausarrest befreit. Der Gründer der Oppositionspartei Voluntad Popular saß seit 2014 in Haft. Die Situation bringe Spanien in "diplomatische Schwierigkeiten", schrieb "El País". Das Land habe weiter Beziehungen zur Regierung von Präsident Nicolás Maduro, obwohl es Parlamentspräsident Juan Guaidó als Interimspräsidenten Venezuelas anerkannt habe.

Guaidó rief die Streitkräfte unterdessen auf, bei der am Dienstag begonnenen "Operation Freiheit" für Maduros Absetzung "voranzuschreiten". Auch rief er seine Anhänger zu erneuten landesweiten Protesten auf. Maduro verkündete derweil einen Sieg über die aufständischen Soldaten, die sich an Guaidós Seite gestellt hatten.

Mutige Patrioten oder Putschisten?

Der Linksnationalist sprach am Dienstagabend von einer "Niederlage der kleinen Gruppe", die in einem "Putsch-Scharmützel" Gewalt über Venezuela habe bringen wollen. Maduro kündigte zugleich strafrechtliche Konsequenzen wegen Rebellion an.

Guaidó hatte am Dienstag erklärt, er habe Teile der Armee auf seiner Seite. "Heute sind mutige Soldaten, mutige Patrioten, mutige Männer, die die Verfassung unterstützen, unserem Aufruf gefolgt", sagte Guaidó in einem Online-Video, das ihn mit uniformierten Männern vor der Militärbasis La Carlota in Caracas zeigt. Maduros Regierung prangerte einen "Putschversuch" an.

Im Anschluss kam es in Caracas zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Dabei wurden mindestens 69 Menschen verletzt, einige von ihnen durch Schüsse. Im nördlichen Bundesstaat Aragua wurde nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation ein Demonstrant getötet.

Die Lage war den gesamten Tag über unübersichtlich. Unklar war, wieviele Soldaten sich tatsächlich an die Seite Guaidós gestellt hatten. 25 Soldaten baten in der brasilianischen Botschaft in Caracas um Asyl. Guaidó musste am Abend in einem Online-Video einräumen, dass er nicht die Mehrheit der Streitkräfte hinter sich bringen konnte. Er betonte aber, der Dienstag habe Risse in der Armee gezeigt. "Wir haben gezeigt, dass Soldaten bereit sind, die Verfassung zu verteidigen."

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/AFP

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