Politik

Ägypten vermittelt Waffenruhe Luftschlag tötet weiteren Dschihad-Anführer

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Raketen auf Israel, Bomben auf Gaza: Von diesem Haus bleibt nach einem israelischen Luftschlag nur ein Krater.

(Foto: REUTERS)

Brüchige Feuerpause im Nahen Osten: Unter Vermittlung Ägyptens kommt in der Nacht eine Waffenruhe zustande, doch schon am Morgen heulen in Israel erneut die Sirenen. In der Nacht stirbt ein weiterer Anführer des Islamischen Dschihads bei einem israelischen Luftangriff.

Die Lage im Grenzgebiet zwischen Israel und den Palästinensergebieten bleibt angespannt: Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen in der Nacht zum Donnerstag ist nach Armeeangaben ein weiterer Anführer der Miliz Islamischer Dschihad getötet worden. Ein israelischer Armeesprecher sagte, der Angriff auf das Haus des Anführers Rasmi Abu Malhus sei vor Inkrafttreten der Waffenruhe am Donnerstagmorgen erfolgt.

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Mit Waffengewalt gegen Israel: Kämpfer der Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad im Gazastreifen.

(Foto: REUTERS)

In der Nacht hatten sich Israel und die Extremistenorganisation Islamischer Dschihad unter Vermittlung Ägyptens und der Vereinten Nationen auf eine Waffenruhe geeinigt. Trotz der vereinbarten Feuerpause wurde Israel am frühen Morgen erneut zum Ziel von Raketenangriffen aus dem Gazastreifen. Die Luftverteidigung löste im Grenzgebiet Raketenalarm aus.

Damit erweist sich die frisch ausgehandelte Waffenruhe bereits als brüchig. Um die Lage zu beruhigen, hatten ägyptische Unterhändler und die UN zuvor intensiv versucht, hinter den Kulissen zu vermitteln. Die Feuerpause im Gazastreifen sei um 4.30 Uhr (MEZ) in Kraft getreten, erklärte ein Vertreter der ägyptischen Regierung am Morgen.

Der Islamische Dschihad und andere radikale Palästinensergruppen hätten der Einigung zugestimmt, hieß es. Ein Sprecher der Extremisten bestätigte die Angaben, ohne auf die Berichte über neuerliche Raketensalven einzugehen.

Am Vorabend hatte die israelische Luftwaffe noch einzelne Angriffe im Palästinensergebiet geflogen. Ein Sprecher von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wollte sich zunächst nicht zu den Berichten über eine Waffenruhe äußern. Nach Angaben des ägyptischen Regierungsvertreters verpflichteten sich die Palästinensergruppen dazu, für Ruhe im Gazastreifen zu sorgen und einen friedlichen Verlauf von Demonstrationen in dem Küstengebiet sicherzustellen.

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Tödliche Gefahr aus der Luft: Ungezielte Raketensalven aus dem Gazastreifen.

(Foto: dpa)

Ein israelischer Armeevertreter hatte am Vorabend erklärt, das Militär werde seine Angriffe auf Ziele im Gazastreifen einstellen, falls der Islamische Dschihad seinerseits keine Raketen mehr auf Israel abfeuere. "Wir sind informiert worden, dass es eine Waffenruhe gibt", bestätigte ein Militärsprecher am Morgen. Trotzdem hätten militante Palästinenser noch Raketen nach Israel geschossen.

Beschuss mit ungelenkten Raketen

Seit zwei Tagen kommt es zu einer massiven Auseinandersetzung zwischen Israel und den radikalen Palästinensern. Auslöser der Konfrontation war die Tötung des ranghohen Dschihad-Kommandeurs Baha Abu Al-Ata am Dienstagmorgen bei einem israelischen Luftangriff. Israel macht Ata für Raketenangriffe auf Israel in den vergangenen Monaten verantwortlich und erklärte, der 41-Jährige habe weitere Anschläge "gegen israelische Zivilisten und Soldaten" geplant. Auch seine Frau kam bei dem Angriff in der Nacht zu Dienstag ums Leben.

Der Islamische Dschihad und die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas-Miliz kündigten daraufhin Vergeltung an. Nach Angaben der israelischen Armee wurden in der Folge mehr als 360 Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelischen Streitkräfte reagierten ihrerseits mit Vergeltungsangriffen. Die Luftwaffe beschoss nach eigenen Angaben Stellungen des Islamischen Dschihads sowie Kämpfer und Raketen-Abschussanlagen. Seit die Hamas 2007 die Kontrolle im Gazastreifen übernahm, gab es bereits drei kriegerische Auseinandersetzungen zwischen der radikalislamischen Miliz und Israel.

Die jüngste Gewalt vollzieht sich vor dem Hintergrund einer verfahrenen politischen Situation in Israel. Weil es Amtsinhaber Benjamin Netanjahu nach der Parlamentswahl im September nicht gelang, eine stabile Regierung zu bilden, beauftragte Präsident Reuven Rivlin Ende Oktober seinen Rivalen Benny Gantz mit der Regierungsbildung. Die blutige Auseinandersetzung mit Raketen und Bomben droht die innenpolitische Debatte zu überlagern und dürfte Beobachtern zufolge auf beiden Seiten eher das Lager der Hardliner stärken.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa