Politik
Mauricio Macri nach der Stimmabgabe
Mauricio Macri nach der Stimmabgabe(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 23. November 2015

Konservative lösen Linke ab: Macri gewinnt Stichwahl in Argentinien

Eine Inflationsrate von fast 24 Prozent und seit 2014 auch noch in der Rezession: Argentinien ist ein Land in der Krise. Dafür bekommt die Partei der bisherigen Amtsinhaberin Cristina Kirchner nun die Quittung. Neuer Präsident wird ein Wirtschaftsliberaler.

Nach zwölf Jahren ist in Argentinien die Ära Kirchner zu Ende gegangen: Der wirtschaftsliberale Oppositionskandidat Mauricio Macri gewann nach offiziellen Ergebnissen die Stichwahl gegen den linken Regierungskandidaten Daniel Scioli. Der 56-jährige bisherige Bürgermeister von Buenos Aires wird somit am 10. Dezember die Amtsgeschäfte von der scheidenden Präsidentin Cristina Kirchner übernehmen.

Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen kam Macri auf 51,4 Prozent der Stimmen, sein Rivale Scioli erreichte 48,6 Prozent. In einer ersten Reaktion auf seinen Sieg sagte Macri, es werde mit ihm in Argentinien nun einen "epochalen Wandel" geben. Scioli gestand seine Niederlage ein und gratulierte seinem Kontrahenten zum Sieg. "Gemäß dem Willen des Volkes ist ein neuer Präsident gewählt worden: Mauricio Macri", sagte Scioli bei einem Fernsehauftritt.

Die Ära Kirchner geht zu Ende

Macri war als Außenseiter in die Wahl gestartet. Es gelang ihm jedoch, ein breites Bündnis zwischen der von ihm gegründeten Rechtspartei PRO und der Mitte-Links-Partei UCR zu schmieden. Der 58-jährige Scioli, der als Gouverneur der Provinz Buenos Aires großen Einfluss besitzt, war am 25. Oktober noch als Bestplatzierter aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen hervorgegangen. In den Wochen bis zur Stichwahl büßte er seine Favoritenrolle aber nach und nach ein.

Mit dem Wahlsieg Macris gehen in dem südamerikanischen Land zwölf Jahre linker, vom Peronismus beeinflusster Politik zu Ende, in denen Cristina Kirchner und ihr vor fünf Jahren gestorbener Mann Nestor Kirchner mit einer sozial und protektionistisch ausgerichteten Politik die Geschicke des Landes prägten. Kirchner, die ihr Amt 2007 antrat, durfte nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren.

Macri will dem kriselnden Land eine wirtschaftsfreundlichere Politik verordnen und hat ein Ende der protektionistischen Wirtschaftspolitik seiner Vorgänger angekündigt. Er tritt ein schwieriges Erbe an: Die drittwichtigste Volkswirtschaft Lateinamerikas leidet unter einer hohen Inflationsrate, die 2014 bei fast 24 Prozent lag. Nach einer langen Wachstumsphase befindet sich die argentinische Wirtschaft heute am Rande einer Rezession.

Der neue Präsident verfügt weder im Abgeordnetenhaus noch im Senat über eine Regierungsmehrheit und wird darauf angewiesen sein, Allianzen zu schmieden, um seine Vorhaben im Kongress durchzubringen.

Quelle: n-tv.de