Politik

Folter in Algerien Macron: Frankreich ist verantwortlich

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Französische Soldaten während des Algerienkriegs.

(Foto: imago/Leemage)

Der Algerien-Krieg ist ein dunkles Kapitel in der jüngeren französischen Geschichte. Präsident Macron erklärt nun, dass der französische Staat für den Tod eines Unabhängigkeitsaktivisten verantwortlich sei. Er will nun die Archive öffnen lassen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat eine Verantwortung des französischen Staates für den Tod eines Unabhängigkeitsaktivisten während des Algerien-Krieges eingeräumt. Macron erkenne im Namen der Französischen Republik an, dass Maurice Audin von Militärs gefoltert und hingerichtet oder zu Tode gefoltert worden sei, teilte das Pariser Präsidialamt mit.

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Emmanuel Macron fasst ein politisch heißes Eisen an.

(Foto: REUTERS)

Audins Tod sei zwar die Tat einiger weniger, aber durch ein auf legalem Wege eingerichtetes System ermöglicht worden, nach dem Sicherheitskräfte "Verdächtige" hätten festsetzen können. Grundlage seien die den Streitkräften damals übertragenen Sonderrechte gewesen. Dieses System habe "Folter zu politischen Zwecken" ermöglicht.

Der junge Mathematiker und Kommunist Maurice Audin war 1957 von Soldaten festgenommen worden und seitdem verschwunden. Die offizielle Version war lange, dass er geflohen sei. Die französische Kolonialherrschaft in Algerien endete in einem blutigen Konflikt mit Hunderttausenden Toten. Der Krieg dauerte mehr als sieben Jahre, 1962 erhielt Algerien dann seine Unabhängigkeit.

Vergleich mit Chirac-Rede zur Verhaftung von Juden

Der Algerien-Krieg ist bis heute ein brisantes Thema in Frankreich. Macron kündigte nun an, die Archive im Hinblick auf alle Verschwundenen des Algerien-Kriegs zu öffnen. In einer Erklärung des Staatschefs hieß es, Folter sei zwar laut dem Gesetz ein Verbrechen geblieben, aber nicht bestraft worden, weil sie als Waffe im Kampf gegen die Nationale Befreiungsfront FLN begriffen worden sei. Weil die damaligen französischen Regierungen gescheitert seien, Folter zu verhindern und zu ahnden, hätten sie das Leben der Männer und Frauen gefährdet, die von den Sicherheitskräften gefasst worden seien.

"Es ist wichtig, dass diese Geschichte bekannt ist, dass sie mit Mut und Klarheit betrachtet wird", so Macron. Die Zeitung "Le Monde" verglich den Schritt Macrons mit einer berühmten Rede seines Amtsvorgängers Jacques Chirac: Dieser hatte 1995 die Beteiligung des französischen Staates an der Massenverhaftung von Juden während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg anerkannt.

Quelle: ntv.de, wne/dpa