Politik

"Präsident der Reichen"? Macron holt gegen Arbeitslose aus

Der französische Präsident habe nicht genügend Respekt vor Menschen in schwierigen Situationen, so seine Kritiker.

Der französische Präsident habe nicht genügend Respekt vor Menschen in schwierigen Situationen, so seine Kritiker.

(Foto: REUTERS)

Bisher galt Emmanuel Macron als nahbarer Präsident, der den Bürgern auf Augenhöhe begegnet. Doch dieses Bild erhält jetzt Risse. Schon wieder äußert er sich abfällig über Arbeitslose, die Kritik an ihm nimmt zu.

Emmanuel Macron gerät wegen abfälliger Bemerkungen über Arbeitslose in Bedrängnis. Durch Radio- und Fernsehsender geht derzeit ein Audiomitschnitt von einem Besuch in Südwestfrankreich. Dort sagt der französische Präsident mit Blick auf protestierende Arbeiter und Ex-Arbeiter eines Automobilzulieferers, sie sollten sich besser nach Stellen in einem anderen Unternehmen in der Region umschauen, "statt Chaos anzurichten". Der 39-Jährige benutzt dabei den Ausdruck "fourtre le bordel", der auch "einen Saustall hinterlassen" bedeuten kann. Der Ausdruck gilt in Frankreich als derb und umgangssprachlich.

In der Stadt Egleton hatten die entlassenen Mitarbeiter zuvor gegen Macrons Besuch demonstriert. Sie werfen Macron vor, sich nicht für ihre Belange einzusetzen. Oppositionspolitiker der Linken wie der Rechten werfen Macron wegen seiner Äußerungen "Arroganz" und Abgehobenheit vor. Der Generalsekretär der konservativen Partei "Die Republikaner", Bernard Accoyer, attestiert ihm mangelnden "Respekt für die Mitbürger, besonders für diejenigen in Schwierigkeiten".

Macron habe nur gesagt, was viele Franzosen dächten

Doch das war nicht der erste Seitenhieb dieser Art. Mitte September hatte Macron im Streit um die Arbeitsrechtsreform gesagt, er werde sich von "Faulenzern" nicht aufhalten lassen. Reformgegner bezeichnete er als Müßiggänger. Seit der Ankündigung seiner Regierung, die Reichensteuer weitgehend abzuschaffen, wird ihm vor allem vom linken Lager vorgeworfen, "Präsident der Reichen" zu sein.

Ein Regierungssprecher zeigt sich um Schadensbegrenzung bemüht: Macron habe in dem Gespräch mit dem sozialistischen Regionalpräsidenten Alain Rousset nur gesagt, was viele Franzosen dächten. Zudem sei der Präsident bemüht, "Klartext zu reden".

Nach dem jüngsten Auftritt des Staatschefs stellte Präsidentschaftssprecher Bruno Roger-Petit ein Video der umstrittenen Unterhaltung Macrons mit dem Präsidenten der Region Nouvelle Aquitaine, Alain Rousset, auf Twitter. Wer das vertrauliche Gespräch mitschnitt, ist nicht bekannt.

Quelle: n-tv.de, sra/dpa/AFP