Politik

Protokoll von Oktober-Telefonat"Maus" Orban bot "Löwen" Putin "jede erdenkliche" Hilfe an

07.04.2026, 16:26 Uhr
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Beide kennen sich: Putin und Orban. (Foto: picture alliance/dpa/Pool AFP via AP)

Im vergangenen Oktober telefonieren Orban und Putin miteinander. Der Inhalt des Gesprächs wird erst Monate später durch einen Medienbericht bekannt: Neben vielen Schwärmereien wollte der ungarische Premier in Budapest einen Gipfel ausrichten, aus dem aber nichts wurde.

Der ungarische Regierungschef Viktor Orban hat laut einem Medienbericht dem russischen Machthaber Wladimir Putin seine Hilfe angeboten. "Gestern hat unsere Freundschaft ein solches Niveau erreicht, dass ich Ihnen in jeder Hinsicht helfen kann", sagte Orban laut einem von Bloomberg eingesehenen Protokoll des Gesprächs aus dem Oktober vergangenen Jahres. "In jeder Angelegenheit, in der ich Ihnen behilflich sein kann, stehe ich Ihnen zur Verfügung."

Beide Seiten sprachen laut dem US-Medium auch über den Ukraine-Krieg. Der ungarische Regierungschef habe angeboten, einen Gipfel mit US-Präsident Donald Trump in Budapest auszurichten, aus dem am Ende aber nichts wurde. Orban und Putin diskutierten laut Protokoll lange darüber, wie sehr sie sich bewundern. Auch tauschten sie sich über ihre Anerkennung für Trump aus, mit dem beide noch am Vortag telefoniert hatten.

Um seine Hilfsbereitschaft zu unterstreichen, griff Orban auf eine alte ungarische Kinderfabel zurück. Eine Maus (Ungarn in diesem Fall) befreit in der Geschichte einen Löwen (Russland) aus einem Netz, nachdem der Löwe das Tier zuvor verschont hatte. Die Fabel habe Putin laut dem Protokoll zum Lachen gebracht. Sprecher beider Seiten reagierten nicht auf die Frage von Bloomberg nach einer Stellungnahme.

"Putins wertvollster Agent"

Das Gespräch war geprägt von gegenseitigen Schwärmereien. Orban lobte die Freundschaft mit dem Kremlchef als eine, die sich seit ihrem ersten Treffen in St. Petersburg 2009 stetig entwickelt habe. Putin wiederum lobte die ungarische Position im Ukraine-Krieg. Der russische Machthaber bezeichnete sie als "unabhängig und flexibel". Es sei ihm unbegreiflich, sagte Putin, dass eine solch ausgewogene Haltung so viel Kritik hervorrufe.

Die Ablehnung vieler EU-Mitgliedsländer rührt vor allem daher, dass Ungarn schon seit Wochen neue EU-Sanktionen gegen Russland blockiert. Nicht nur das: Auch ein 90 Milliarden Euro schwerer Kredit für Kiew scheitert bislang an dem Veto aus Budapest. Wegen Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit hält Brüssel nach wie vor EU-Gelder in zweistelliger Milliardenhöhe für Ungarn zurück. Budapest macht kein Geheimnis daraus, dass seine Blockadehaltung in der EU ein Weg sein soll, die Gelder freizubekommen.

Zuletzt gab es auch aus dem eigenen Land Kritik an Orban. Der frühere ungarische Außenminister und EU-Kommissar Peter Balazs hatte gegen den Premier schwere Vorwürfe erhoben. "Putins wertvollster Agent im Westen ist Viktor Orban. Der Kreml hat keinen besseren Mann, um russische Interessen im Innersten der EU und der Nato zu vertreten", sagte Balazs dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

"Putin ist bereit, einen hohen Preis dafür zu zahlen, um Orban in seiner Position als russischen Agenten zu halten." Orban spiele diese Rolle meisterhaft, so der frühere Außenminister. "Orban weiß genau: Er ist nur ein guter Agent für Putin, Xi Jinping und Donald Trump, solange er in der EU und Nato sitzt."

In Ungarn stehen am Sonntag möglicherweise wegweisende Wahlen an: Die Fidesz-Partei des seit 2010 ununterbrochen regierenden Orban liegt Umfragen zufolge deutlich hinter der Partei Tisza von Oppositionspolitiker Peter Magyar. Für Unterstützung im Wahlkampf reiste nun auch US-Vize-Präsident JD Vance an und kritisierte bei seinem Besuch die EU scharf.

Quelle: ntv.de, ses

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