Politik

Quarantänepflicht entfällt Mecklenburg-Vorpommern mildert Reiseregel

imago0105672589h.jpg

Nicht nur das Wetter, sondern auch das Beherbergungsverbot sorgt für leere Strandkörbe auf Usedom.

(Foto: imago images/Leo)

Der Weg zur Ostsee ist für Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten noch immer nicht frei. Doch das Bundesland mit dem striktesten Beherbergungsverbot lässt nun zumindest die Quarantänepflicht fallen, wenn Urlauber einen negativen Test vorweisen können.

Mecklenburg-Vorpommern lockert ab kommendem Mittwoch seine strengen Auflagen für Touristen aus deutschen Corona-Risikogebieten. Das kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig von der SPD in Schwerin an. Demnach müssen Gäste aus den betroffenen Gebieten künftig lediglich einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Die bisherige Quarantänepflicht fällt somit weg.

*Datenschutz

Bislang war neben einem aktuellen negativen Corona-Test für Mecklenburg-Vorpommern eine 14-tägige Quarantäne unmittelbar nach der Einreise vorgeschrieben. Die Wartezeit konnte verkürzt werden, wenn ein zweiter Test nach fünf bis sieben Tagen ebenfalls negativ ausfiel. Für Tagestouristen aus Risikoregionen wird die Einreise nach Mecklenburg-Vorpommern laut Schwesig auch weiterhin nicht möglich sein. Die Quarantänepflicht gelte zudem weiterhin für Einreisen aus ausländischen Risikogebieten.

Die Ministerpräsidentin sagte, die anderen Bundesländer hätte nach dem Corona-Gipfel der Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am vergangenen Mittwoch inzwischen genügend Vorsichtsmaßnahmen für Risikogebiete getroffen. Das ermögliche es Mecklenburg-Vorpommern, die eigenen Regeln zu vereinfachen.

Urteil über Eilanträge erst nächste Woche

Damit gleicht die Landesregierung die bundesweit bislang strikteste Regelung für Einreisende aus deutschen Risikogebieten an die Vorschriften in Schleswig-Holstein an. Sowohl der Landestourismusverband als auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) waren gegen die bisherige Regelung Sturm gelaufen. Beim Oberverwaltungsgericht (OVG) in Greifswald waren bis Freitag mehrere Eilanträge gegen die Landesverordnung eingegangen. Das OVG hatte angekündigt, darüber in der nächsten Woche zu entscheiden.

Zu den Klägern gehört der Usedomer Hotelier Thilo Naumann. Er halte die Regelungen, wonach Touristen aus Corona-Risikogebieten auch bei negativem Testergebnis noch für mindestens fünf Tage in Quarantäne müssen, für nicht zumutbar und unverhältnismäßig, sagte er. Unterstützung kam unter anderem von der Dehoga und der FDP.

Rostocks OB hält nichts von der Regel

Nach Einschätzung der Tourismuswirtschaft kamen die bislang in Mecklenburg-Vorpommern geltenden Einreisebestimmungen für Besucher aus Corona-Hotspots einem Beherbergungsverbot gleich. Die Branche, die nach dem coronabedingten vollständigen Reisestopp im Frühjahr im Nordosten in der Sommersaison wieder im Aufwind war, musste deshalb im Herbst einen Rückschlag hinnehmen. Der Präsident des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern, Tobias Woitendorf, bezifferte die Verluste nach ersten Einschätzungen auf 30 Prozent des Umsatzes beziehungsweise 60 bis 80 Millionen Euro.

Zuvor hatte Rostocks Oberbürgermeister Claus Madsen die Einreisebeschränkungen und das Beherbergungsverbot für übertrieben eingestuft. "Wenn sich alle vernünftig verhalten, sind die Menschen aus den Corona-Risikogebieten nicht gefährlicher als andere", sagte der parteilose Verwaltungschef von Mecklenburg-Vorpommerns größter Stadt in einem Interview im Berliner "Tagesspiegel". Wer Fieber habe oder sich schlecht fühle, sollte nicht arbeiten oder im Restaurant essen gehen. "Aber wer am Strand entlang spaziert, ist doch nicht gefährlich", sagte Madsen. Hinzu komme, dass Hotels strikte Hygienevorgaben hätten.

Quelle: ntv.de, mau/dpa